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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2782 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Aufbruch, S. 666–667 (auszugsweise)

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Samstag, 29. April 1876

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnkonferenzen, Presse (allgemein), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

BERNE, le 29 April 1876.

Hochgeehrter Herr u Freund

Aus meiner letzten Mittheilung haben Sie erfahren, dass die deutsche Regierung beabsichtigt habe uns zu antworten, sie werde die Experten Conferenz nicht beschicken und dass ich sowol Herrn Hammer als Herrn Pioda beauftragte allem aufzubieten um einen solchen Entschluss rückgängig zu machen. Es ist diess nun möglich geworden, aber in einer Weise welche ich durchaus nicht billige. Hammer schreibt uns darüber, indem er über eine Conferenz mit Delbrück berichtet: «Ich that der Zeitungsnachricht Erwähnung, dass die Voruntersuchung der schweiz. Experten noch nicht zum Abschluss gelangt und dass vielleicht schon aus diesem Grunde die Abhaltung der Conferenz in der ersten Hälfte des Mai nicht mehr möglich sei. Hr Delbrück erwiederte, dass die Expertise der schweiz. Techniker nach dem Programm zu schliessen sehr zweckmässig organisirt sei und dass es vielleicht den allseitigen Wünschen entsprechen könnte, wenn der schweiz. Bundesrath in einer zweiten Note, den mitbetheiligten Staaten amtlich Kenntniss von der seinerseits organisirten Expertise, dem daherigen Programm, dem allfällig | nötig werdenden Aufschub zur Abhaltung der Conferenz etc. geben würde. Mit dem Erlass der Antwort sei übrigens das Auswärtige Amt betraut.»

Bei Bülow erfuhr nun Herr Hammer Folgendes: «Die deutsche Regierung wünsche vor Betheiligung an der Conferenz mehr Klarheit und Umgränzung in die Sache gebracht zu sehen. Herr Bülow gab auf mein Gesuch die Zusage, mit der Absendung seiner Antwort nach Bern zuzuwarten, bis eine in Aussicht zu nehmende zweite Mittheilung aus Bern (Programm-Mittheilung, Verschiebung der Conferenz, vielleicht auch Kenntnissgabe über Resultate der Schweizer-Expertise etc) entweder eingetroffen wäre oder ich ihn weiter verständigt hätte.»

So weit Herr Hammer, der mit dieser Verhandlung der Sache keinen Vorschub geleistet hat. Ohne dass wir auf unsere Note die wir vor 4 Wochen erlassen haben irgend eine Antwort besitzen, sollen wir eine neue Note schicken, von der ich gar nicht weiss was sie enthalten soll und wir sollen dann, wie heute auch gewärtigen, dass man die Conferenz doch nicht beschickt. |

Weder aus der Unterredung mit Delbrück noch aus der mit Bülow ist ersichtlich was man in Berlin thun werde, wenn diese zweite Note angelangt sein wird. Unter diesen Umständen bin ich vorläufig der Meinung, der Bundesrath solle unsere Gesandten in B. u. Rom beauftragen in unserm Namen die Mittheilung zu machen, es habe der Bundesrath von sich aus die Anordnungen zu einer internen Expertise getroffen, um die Verhandlungen der internationalen Conferenz vorzubereiten und das derselben vorzulegende Material zu sichten und abzuklären. Diese Arbeit sei im Gang und werde frühzeitig genug beendigt sein um der internationalen Conferenz noch im Monat Mai vorgelegt werden zu können. Auf diese Weise würde die Mittheilung nicht direct von uns ausgehen und an unserer Note nichts ändern sondern nur eine geschäftliche Ergänzung dazu bilden. Ich bitte Sie mir Ihre Ansicht darüber mittheilen zu wollen.

Vorgestern hatte ich eine lange Unterredung mit Bamberger, der es «für möglich aber sehr schwierig» hält noch eine weitere Subvention von Deutschland zu erhalten, «insofern von | Seite der Schweiz auch etwas geschehe». Er erklärte dass die Fortbezahlung der Subsidien auch nach Verzicht auf die secundären Linien der Schweiz als eine Geldleistung angerechnet werden müsste. Über das Detail unserer Besprechung mündlich.

Gestern hatte ich auch eine Unterhaltung mit dem französ. Geschäftsträger, der in sehr ostensibler Weise mir auseinandersetze, dass sich die französ. Regierung sehr mit dem Gotthard beschäftige; es sei das eine route strategique an deren Erstellung Deutschland ein grosses Interesse nehme. Ich erwiederte ihm: wenn andere als die Deutschen diese route strategique nicht benutzen, so werden sie es nicht darum unterlassen, weil sie nichts daran bezahlt haben. Es ist übrigens diesem Geschwätz keinerlei Wichtigkeit beizulegen.

Im Innern hat sich nichts bemerkenswerthes gezeigt.

Mit freundschaftlichem Grusse

Ihr

E Welti

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