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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2775 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 228

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 22. April 1876

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten

Briefe

Gotthardbahn.
DIRECTION.

Luzern d. 22. April 1876.

Hochverehrter Herr Präsident!

Mit bestem Danke sende ich Ihnen in der Anlage die vertrauliche Mittheilung des Hrn. Bundespräsidenten wieder zurük.1 Es ist mir aus dieser & den frühern Mittheilungen W's der Eindruk geblieben, als sei in Berlin von langer Hand her in einer sehr übelwollenden Weise eingewirkt worden. Welchen Antheil daran die gegenwärtige & frühere Bauleitung2 haben mögen, wird vielleicht die Zukunft einmal enthüllen. Ich erinnere beiläufig wieder an eine Mittheilung, die mir | schon im Herbste des vorigen Jahres zugekommen, daß nämlich Hr. H. in seinen Briefen nach Wien weidlich über den Dilettantismus der Direktion schimpfe. Wer weiß, ob nicht Aehnliches auch nach Berlin geschrieben worden ist. –

Wie die Dinge nunmehr liegen, bekommt nach meiner Auffaßung die vom Bundesrathe angeordnete Untersuchung3 eine ganz besondere Wichtigkeit. Man kann nicht genug wünschen, daß sie mit der allergrößten Genauigkeit & Sorgfalt geführt werde, da deren | Ergebniß zur Grundlage alles weitern Vorgehens wird dienen müßen. Wenn dieselbe, – was ich immer noch hoffe – eine erhebliche Herabminderung der Kostensumme zur Folge hat, so dürfte trotz Allem die Situation noch nicht eine verzweifelte sein, wenn auch an Schwierigkeiten überreich. –

Die Abschrift der in der Hellwag'schen Reduktionsvorlage4 enthaltenen Tableaux habe ich erhalten & danke Ihnen dafür. –

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr stets ergebener

J. Zingg.

HHrn Präs. Dr. A. Escher
Zürich.

Kommentareinträge

1Beilage nicht ermittelt. – Vermutlich thematisierte diese Mitteilung die drei in der «Norddeutschen Allgemeinen Zeitung» erschienenen Artikel zur Gotthardbahn, über welche Escher und Welti in den vorangehenden Tagen hauptsächlich korrespondiert hatten. Alfred Escher an Emil Welti, 7. April 1876; Emil Welti an Alfred Escher, 10. April 1876; Emil Welti an Alfred Escher, 15. April 1876; Emil Welti an Alfred Escher, 15. April 1876; Emil Welti an Alfred Escher, 16. April 1876; Telegramm Escher an Emil Welti, 16. April 1876 (BAR J I.67-8); Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Probleme mit Oberingenieur Hellwag.

2 Robert Gerwig wurde am 2. April 1872 zum Oberbauingenieur der Gotthardbahn-Gesellschaft ernannt. Nach Meinungsverschiedenheiten mit der Direktion trat er aus dem Dienst der Gotthardbahn-Gesellschaft aus und wurde durch Konrad Wilhelm Hellwag ersetzt, welcher seine neue Stelle am 16. April 1875 antrat. Vgl. Geschäftsbericht GB 1872, S. 23; Geschäftsbericht GB 1875, S. 4; Jung, Aufbruch, S. 1081.

3Der Bundesrat bestellte am 25. März 1876 eine Expertenkommission, welche insbesondere den Kostenvoranschlag Hellwags einer genauen Prüfung zu unterziehen hatte. Vgl. Prot. BR, 25. März 1876; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Oberingenieur Hellwags Kostenvoranschlag vom Frühjahr 1876.

4 Hellwag legte am 9./12. April 1876 einen Bericht «betreffend die zum Zwecke der Verminderung des Baukapitales der Gotthardbahn in Frage kommenden Reduktionen des ursprünglichen Bauprogrammes nebst graphischen Beilagen» vor. Bundesräthliche Gotthardbahn-Expertise 1876, Subkommission, S. 2.