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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2766 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 225

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Sonntag, 16. April 1876

Schlagwörter: Diplomatische Aktivitäten, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeehrter Herr und Freund

Ich habe gestern Nacht folgende Depesche von Hammer1 erhalten:

«Hatte eben neue Unterredung mit Delbrück2, welcher im Wesentlichen erklärt, Gotthard sei nur durch Reductionen zu retten; er sei ein Unternehmen der Schweiz, die Initiative liege ihr ob. Vor Beschickung einer Conferenz gewärtige er Reductionsprogramm; Monte Cenere-Linie sei überflüssig. Mein Eindruck dass Artikel der Norddeutschen offiziös bestärkt sich immer | mehr. Morgen näheren Bericht».

Sobald dieser Bericht3 eingelangt sein wird schreibe ich Ihnen wieder und dann wird wohl der Moment gekommen sein, wo wir uns werden sprechen müssen. Aus und über Italien weiss ich gar nichts, so dass ich auch nicht beurtheilen kann, inwiefern ein gemeinsames Vorgehen zwischen Berlin und Rom bereits verabredet ist.

Es ist gut wenn wir hier bald veranlasst und genöthigt sind etwas zu thun; es | greift in den massgebenden Kreisen eine bedenkliche Stimmung um sich. Doch davon mündlich.

Mit freundschaftlicher Hochschätzung

Ihr Ergebenster

E Welti

Bern
16. April 1876.

Kommentareinträge

1 Bernhard Hammer (1822–1907), Bundesrat (SO), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin. Alfred Escher an Emil Welti, 7. April 1876, Fussnote 2.

2 Rudolph von Delbrück (1817–1903), Staatsminister ohne Geschäftsbereich des Königreichs Preussen und Präsident des Reichskanzleramts des Deutschen Reichs.

3 Vgl. Schreiben Bernhard Hammer an Emil Welti, 16. April 1876, in: DDS III, S. 200–202.