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Korrespondenz: Alfred Escher – Otto Elben
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    1. an Otto Elben, 26. Februar 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Deutscher Reichstag, Presse (allgemein), Bundesrat, Gotthardbahnprojekt AES B2728+
    2. von Otto Elben, 8. März 1876 Schlagwörter: Deutscher Reichstag, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Presse (allgemein) AES B2732+
    3. an Otto Elben, 31. Dezember 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Kommissionen (eidgenössische), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion AES B2891+
  • von Otto Elben, 4. Januar 1877 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Wahlen, Deutscher Reichstag, Dankesbriefe (diverse) AES B2892
  • 1880
  • o. J.

AES B2732 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#185*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 210

Otto Elben an Alfred Escher, Stuttgart, Mittwoch, 8. März 1876

Schlagwörter: Deutscher Reichstag, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Presse (allgemein)

Hochverehrter Herr Präsident!

Erlauben sie mir, Ihnen den freund lichsten Dank zu sagen für die Ueber sendung der außerordentlich interessanten Berichte . Ich habe einen längeren Auszug für den schwäbischen Merkur bearbeitet (u. bin so frei, Ihnen 1 Ex. unter Kreuzband zu senden).1

Die Sache kann durch die weiteste Verbreitung des Hellwagschen Berichtes2 nur gewinnen. Hier ist vollste Offen heit das Beste. Jeder, der sich mit dem großen Werke irgend beschäftigt hat, wird zur Erkenntniß kommen, daß alle zu sammen sich 1869 eben in einer großen Naivetät befunden haben , die Vol lendung auf Grund des damaligen Programms eben ohne Weiteres anzu nehmen. Mir ist es auch so gegangen. Der Hellwag'sche Bericht macht in der| That einen vertrauenerweckenden Eindruck.

Mit meinem neuen Kollegen im Reichstag, Hrn. Gerwig , habe ich in der kurzen Nachsession im Jan.3 zwar sonst mancherlei in Eisenbahnsachen, zu fällig aber nichts über den Gotthard ge sprochen. Ich kenne also seine jezige Stel lung zur Sache nicht. Hellwag ist äußerlich stets sehr anständig gegen seine Vorgänger. Dennoch habe ich den Eindruck bekommen, daß zwar den Ex perten von 1864, Beckh -Gerwig, wirk lich nicht der mindeste Vorwurf gemacht werden kann u. gemacht wird;4 daß aber gegen G. nicht ohne Grund hin reichend angedeutet ist, daß er einen Theil der Schuld an der Ueberschreit ung der Tessiner Thalbahnen5 trage, u. daß es doch schwer begreiflich ist, warum nicht schon früher, vor Hell wag, durch Fixirung auf dem Terrain der genauere Grund für den ganzen Bau beschafft wurde.

Ob wir im Reichstag Debatten in Bezug auf solche Einzelheiten erhalten, ob die Verschuldungsfrage hereingetragen werden wird, welchen | Standpunkt Gerwig einnehmen wird, – das alles läßt sich ja nicht voraussehen. Jedenfalls wird es geboten sein, für alle Fälle sich bereit zu halten. Und in dieser Beziehung bin ich so frei, Ihnen eine Erwägung anheimzugeben: ob Sie nicht kurz vor Eröffnung des Reichstags (im Herbst) mir etwa geeignetes Material an die Hand geben wollen. Ich bin später so frei, wenn der Reichs tag einmal näher tritt, nochmals bei Ihnen anzufragen.

Hr. O.baurath Beckh hat jezt den Bau eines Stücks meines Schmerzens kindes, der Böblinger Bahn, übernommen. Leider haben ihn Familienverhältnisse, unheilbare Krankheit eines Schwiegersohns, bestimmt, wieder in den Staatsdienst zu gehen. Ich habe ihn dieser Tage in Böblingen besucht u. ihm viel von dem Hellwagschen Plane erzählt, der ihm noch ganz neu war. Eines warf er sofort ein: er meinte, für die große Kehre müsse die Hochebene von Gurtnellen günstiger sein als WattingenLeggis stein. Im Uebrigen meinte er: wenn ihr (der Experten) Bericht schon 289 Mill. gehabt hätte, so würde die Konferenz 1869 nichts beschlossen | haben. Mag richtig sein!

Ich bin fortwährend mit Freuden bereit, für das große Werk, für das ich seit Jahren das größte Interesse habe, nach schwachen Kräften im Reichs tag u. der Presse zu thun was ich kann. Mit meinem Kollegen Bam berger6 will ich mich auch dieser Tage deßhalb in Verbindung sezen.

Mit der ausgezeichnetsten Verehrung

ergebenster

Dr Otto Elben.

Stuttgart den 8. März
1876.

Kommentareinträge

1Beilage nicht ermittelt.

2 Vgl. Hellwag, Bericht; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Oberingenieur Hellwags Kostenvoranschlag vom Frühjahr 1876.

3Gemeint ist die Session des Deutschen Reichstags vom 19. Januar bis zum 10. Februar 1876. Vgl. Sten. Bericht deutscher Reichstag, 19. Januar 1876 (S. 767); Sten. Bericht deutscher Reichstag, 10. Februar 1876 (S. 1370).

4Das technische Gutachten der Ingenieure Beckh und Gerwig wurde im Mai 1865 veröffentlicht. Vgl. Beckh/Gerwig, Rentabilität; Die Gotthardvereinigung, Absatz 4.

5Bereits im Dezember 1874 eröffnete die Gotthardbahn-Gesellschaft im Kanton Tessin, in Erfüllung des Art. 3 des Staatsvertrags von 1869, die Talbahnen BiascaBellinzona, BellinzonaLocarno und LuganoChiasso. Vgl. Geschäftsbericht GB 1874, S. 42–56; Staatsvertrag Gotthardbahn 1869, Art. 1, 3; Alfred Escher an Emil Welti, 28. Oktober 1872. – Während die internationale Gotthardkonferenz von 1869 für die Erstellung der Tessiner Talbahnen mit Kosten von 18,6 Mio. Franken gerechnet hatte, bezifferte Hellwag die zu erwartenden Kosten auf 51,6 Mio. Franken. Vgl. Direktion GB, Schreiben Finanzlage, S. 21; Bericht GV GB 1876, S. 9–10; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 4.

6 Ludwig Bamberger (1823–1899), Mitglied des deutschen Reichstags.