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Korrespondenz: Alfred Escher – Adolph von Hansemann

AES B2720 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#249*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 205

Adolph von Hansemann an Alfred Escher, Berlin, Montag, 21. Februar 1876

Schlagwörter: Bundesrat, Deutscher Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Berlin, den 21. Februar 1876.

Hochgeehrter Herr Präsident!

Durch den Telegraphen1 zeigte ich Ihnen heute an, daß ich von meiner Reise2 zurück bin, jedoch im Laufe dieser Woche eine neue Reise antreten muss.

Mit der Einladung zu der Sitzung des Verwaltungsraths auf den 3. März3 und der Veröffentlichung der bezüglichen Vorlagen ist inzwischen die traurige Lage der Dinge allgemein bekannt geworden. 4 Außer allem Zweifel schlägt der Verwaltungsrath den richtigen Weg ein, indem er mittelst der von Ihnen projectirten Eingabe die Frage zunächst in offizieller Weise an den Schweizerischen Bundesrath bringt. Dennoch möchte ich Ihnen anheimstellen, sobald wie möglich nach Berlin zu kommen und sich zu vergewissern, wie die Deutsche Regierung die Frage ansieht, und sich von dieser Reise nicht zurückhalten zu lassen, | selbst wenn ich abwesend sein sollte. 5 Wenn die betheiligten Staaten nicht mit den noch erforderlichen Subventionen eintreten, ist auf keine weitere Einzahlung auf Aktien und Obligationen der Gotthardbahn zu rechnen, womit das ganze Unternehmen zum Stillstand kommen wird. Wünschenswerth ist daher, so bald wie möglich zu erfahren, wie sich die betheiligten Staaten verhalten werden, in welcher Beziehung Sie, wenigstens was Deutschland betrifft, durch Ihren persönlichen Vortrag beim Reichskanzler6 am schnellsten zum Ziele gelangen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

A v Hansemann

Wenn ich nicht hier sein sollte, wird Herr von Bl.7 Sie in allen Schritten hier unterstützen.

Herrn
Präsident Dr A. Escher
Hochwohlgeboren.
Zürich.

Kommentareinträge

1 Vgl. Telegramm Adolph von Hansemann an Escher, 21. Februar 1876 (BAR J I.67-8).

2 Vgl. Adolph von Hansemann an Alfred Escher, 15. Februar 1876.

3 Vgl. Prot. VR GB, 3. März 1876.

4 Vgl. Hellwag, Bericht.

5Bereits am 15. Februar 1876 forderte Hansemann Escher auf, zwecks einer mündlichen Besprechung der finanziellen Probleme der Gotthardbahn-Gesellschaft nach Berlin zu reisen. Vgl. Adolph von Hansemann an Alfred Escher, 15. Februar 1876.

6 Otto von Bismarck (1815–1898), Ministerpräsident und Aussenminister des Königreichs Preussen, Kanzler des Deutschen Reichs.

7Vermutlich Gerson von Bleichröder (1822–1893), Berliner Bankier, Leiter des Bankhauses S. Bleichröder.