Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Gustav von Mevissen
  • 1820
  • 1830
  • 1840
  • 1850
  • 1860
  • 1870
    1. an Gustav von Mevissen, 11. Dezember 1871 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Presse (allgemein) AES B7259
    2. von Gustav von Mevissen, 16. Dezember 1871 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Presse (allgemein), Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Personelle Angelegenheiten AES B7260
    1. von Gustav von Mevissen, 15. Januar 1874 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardtunnel, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Gotthardbahnprojekt AES B8228
    2. an Gustav von Mevissen, 25. Januar 1874 Schlagwörter: Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Gotthardtunnel, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Tunnelbau, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eisenbahnen Bau und Technik, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Eisenbahnen Betrieb AES B8140
    3. von Gustav von Mevissen, 9. Februar 1874 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B8141
    1. an Gustav von Mevissen, Adolph von Hansemann, Ludwig August Parcus, 18. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Demissionen, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Personelle Angelegenheiten, Gotthardbahnprojekt AES B7504
    2. von Gustav von Mevissen, 22. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Brennerbahn, Gotthardbahnprojekt AES B7505
    3. an Gustav von Mevissen, 24. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft AES B7506
    4. von Gustav von Mevissen, 25. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Personelle Angelegenheiten, Gotthardbahnprojekt AES B7507
    5. an Gustav von Mevissen, 4. März 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Bau und Technik, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Personelle Angelegenheiten, Eisenbahngesellschaften (diverse) AES B7508
    6. von Gustav von Mevissen, 10. März 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eisenbahnen Bau und Technik, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Eisenbahngesellschaften (diverse) AES B7509
    1. an Gustav von Mevissen, 12. Februar 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahnen Finanzierung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Bundesrat, Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahnprojekt, Gotthardbahnkonferenzen AES B2712+
    2. von Gustav von Mevissen, 14. Februar 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Finanzierung, Tunnelbau, Gotthardtunnel, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Bundesrat, Bankwesen (allgemein), Gotthardbahnprojekt AES B2713+
    3. an Gustav von Mevissen, 25. Februar 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt AES B2726
    4. von Gustav von Mevissen, 29. Februar 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Finanzierung, Deutscher Reichstag, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahnprojekt AES B2729+
    5. an Gustav von Mevissen, 1. Juni 1876 Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Diplomatische Aktivitäten, Gotthardbahnkonferenzen AES B2804+
    6. von Gustav von Mevissen, 8. Juni 1876 Schlagwörter: Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bundesrat, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Schweizerische Centralbahn (SCB) AES B2809+
  • 1880
  • o. J.

AES B2713 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#349*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 203

Gustav von Mevissen an Alfred Escher, Köln, Montag, 14. Februar 1876

Schlagwörter: Bankwesen (allgemein), Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Gotthardtunnel, Tunnelbau, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

GM

Cöln 14 Febr 1876 1

Hochgeehrter Herr Praesident!

Die Mittheilungen welche Sie mit Ihrem Geehrten vom 12ten mir bezüglich der Lage der Gotthardbahn Gesellschaft zu machen die Güte haben sind leider sehr ernsten Characters und zeigen diese Lage so gefährdet daß derselben gegenüber nur starke Ausdauer und Zuversicht den Glauben an die Durchführbarkeit des Unternehmens aufrecht zu erhalten vermag. Wenn auch nach den in jüngster Sitzung Seitens des Herrn OberIngeneurs gegebenen leisen Andeutungen wohl von dem einen oder andern Mitgliede der Verwaltung eine Ueberschreitung der dem Unternehmen der Gotthardbahn zu Grunde gelegenen Kostenanschläge still in Aussicht genommen worden seyn mag so ist gewiß die höchste Muthmaaßung wohl nicht über ein Viertel des ganzen Betrages hinaus gegangen welcher nach den jetzigen Mittheilungen sich als wirkliches Bedürfniß ergiebt. 2 Daß der die finanzielle Grundlage der Gesellschaft bildende sich jetzt3 als so absolut unzuverlässig | erweisende Kostenanschlag kein4 Kostenanschlag der Gesellschaft sondern ein in gutem Glauben von5 dieser als richtig angenommener Kostenanschlag der internationalen Conferenz, ist ist für die Verwaltung der Gesellschaft eine große moralische Beruhigung aber ohne Bedeutung sofern es sich um Beurtheilung der dadurch herbeigeführten Lage handelt.

Meines unvorgreiflichen Erachtens, scheint mir bei der gegenwärtigen Lage folgendes geboten
1) ohne Verzug Klarstellung der Lage wie dies in dem Schreiben der Direction an den BundesRath 6 in trefflicher alle Seiten der Lage besprechender Weise geschehen.
2) Sistirung jedes Angriffs von Bauten soweit solche nicht mit den vorhandenen Geldmitteln definitiv hergestellt werden können namentlich also Sistirung des Angriffs der in der letzten Sitzung besprochenen Tunnelbauten7 , und Sistirung aller LieferungsVerträge für Schienen etc. Ich habe über das mögliche Resultat der unumgänglichen mit der internationalen Conferenz zu pflegenden Verhandlungen in Bezug auf ersuchte Subventionen kein Urtheil glaube aber daß im besten Falle noch Jahre vergehen werden vor8 einer auf diesem Wege möglichen Lösung. |

Einen anderen Weg aber zur Beschaffung weiterer Geldmittel kenne ich nicht. Von den Actionären ist eine weitere Einzahlung auf die emittirten Actien nicht zu erwarten und inwiefern auf Abnahme der 4ten Serie der Obligationen unter den jetzigen Verhältnissen gerechnet werden kann entzieht sich vorläufig ganz meiner Beurtheilung.

Reichen die vorhandenen flüssigen Mittel aus so scheint es mir indicirt neben Fortbetrieb des Gotthardtunnelbaues sofern die Mittel zur Fortführung aus den internationalen Subventionen fließen, wenn irgend möglich eine zusammenhängende und dadurch voraussichtlich keine Zuschüsse im Betriebe erfordernde vielmehr eine wenn auch vorläufig nur geringe Rente versprechende Strecke von Faido oder Lavorgo aus nach Luino gänzlich fertig zu stellen und durch Vertrag mit der italienischen Regierung die gleichzeitige Vollendung der Strecke Luino-Arona zu sichern. Ergiebt sich daß die vorhandenen Mittel auch zur Ausführung der Strecke Bellinzona Lugano ausreichen so könnte statt Cadenazzo Pino auch die Strecke Bellinzona Lugano fertig gestellt werden.

Alle auf andere Strecken verwendeten Mittel sind völlig unfruchtbar so lange nicht die Ausführbarkeit des ganzen Unternehmens durch Beschaffung weiterer Mittel sichergestellt ist. | In der ersten der Klarstellung der gegenwärtigen Sachlage gewidmeten Eingabe an den Bundesrath lediglich die Berufung einer neuen internationalen Conferenz nachzusuchen, und zunächst noch nicht zu erörtern was Seitens einer solchen Conferenz zu geschehen haben dürfte scheint auch mir der ganz angemessene Modus procedendi. Die Gotthardbahn Gesellschaft kann dieser Conferenz nur mit dem nöthigen Material zur Beurtheilung der Lage in welche sie ohne ihr Verschulden gerathen an Hand gehen und Wege zur Lösung der Schwierigkeiten höchstens andeuten. Je zurückhaltender Vorschläge in dieser Richtung sich zu bewegen haben werden um so entschiedener dagegen wird meines Erachtens die Gesellschaft sofort die Schritte ins Auge zu faßen haben welche die Lage im Inneren der Gesellschaft durch Sistirung oder Beschränkung der Arbeiten durch Ersparniß aller irgend vermeidlichen Auslagen gebietet. Das zu erstrebende wahrlich nicht leicht zu erreichende Ziel wird stetiger Fortschritt im Ausbau nach den Maaßen der uns gegebenen Mittel unter Fernhaltung finanzieller Illusionen seyn. Verzeichnung der Actien und Obligationen wird dabei im Vordergrunde der Erwägungen stehen müssen, wenn einer gewaltsamen Krisis rechtzeitig vorgebeugt werden soll.9 |

Im deutschen Reiche waltet leider die gröste Krise10 welche das gegenwärtige Geschlecht erlebt hat noch ungeschwächt fort und die Ebbe die heute in den Privatkassen sich fühlbar macht droht im Laufe der nächsten Jahre auch die Finanzen des Reiches und der Einzelstaaten zu ergreifen. Der Moment ist daher so ungünstig, wie möglich um die Reichsvertretung zur Erhöhung des deutschen Zuschusses11 eventuell zu bestimmen. Schon bei Gelegenheit der jüngsten Sitzung äußerte ich wie12 gering meine Hoffnung in dieser Richtung sey und die innere Situation unseres Landes hat sich inzwischen in finanzieller Beziehung nur noch zum schlimmeren gestaltet. Soll die Gotthardbahn unter der so ganz veränderten Finanzlage wirklich zur Ausführung kommen so wird meiner Ueberzeugung nach die Schweiz in erster Linie eher ihre Kräfte dem großen Unternehmen zuwenden müssen.

Mit dem Gedankengange des Entwurfs der Eingabe an den Bundesrath ganz einverstanden und zu meinem Bedauern nicht in der Lage einen anderen Weg als den der gesteigerten internationalen Subvention und des beschränkthen Ausbaues der Zufuhrstrecken | zur Lösung der bestehenden finanziellen Schwierigkeiten zu bezeichnen, darf ich von einer mündlichen Berathung kein Resultat in Aussicht nehmen. Wenn irgend möglich werde ich zu der am 3. März in Aussicht genommenen Sitzung des Verwaltungsrathes erscheinen obschon dieselbe voraussichtlich mit Sitzungen des Herrenhauses collidiren wird. 13 Bei dem großen Interesse welches außer Herrn Geheimrath Hansemann gewiß Herr Freiherr Abraham von Oppenheim 14 dem Unternehmen und in specie der die moralische Verantwortlichkeit seines Bankhauses mit tangirenden Finanzlage der Gesellschaft widmen dürfte bitte ich um die Erlaubniß sowohl Ihre gütigen Mittheilungen 15 wie den Entwurf der Denkschrift Herrn von Oppenheim zu unterbreiten. Auch dürfte sich der Zusammentritt der Hauptmitglieder des deutschen Consortiums Fherr von Rothschildt16 , GR von Hansemann und 17 Frh von Oppenheim einen Tag vor der nächsten Sitzung des Verwaltungsrathes empfehlen.

Genehmigen Sie hochverehrter Herr Praesident die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung

G. Mevissen

Kommentareinträge

1Nachträgliche Notiz von Eschers Hand: « empf. 16. Febr. 1876 " " » .

2 Vgl. Hellwag, Bericht.

3Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «bildende sich jetzt» .

4Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «kein» .

5Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «von» .

6 Vgl. Direktion GB, Schreiben Finanzlage.

7Der Verwaltungsrat der Gotthardbahn-Gesellschaft beschloss in seiner Sitzung vom 13. Oktober 1875, die Erstellung von sechs Tunnels, deren Bauzeit auf nahezu fünf Jahre veranschlagt worden war, sofort in Angriff zu nehmen. Vgl. Prot. VR GB, 13. Oktober 1875 (S. 87–88).

8Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «vor» .

9Absatz nachträglich mit Fragezeichen von Eschers Hand mit Bleistift markiert.

10Mit den von der wirtschaftsgeschichtlichen Literatur als «Gründerkrise» oder «Grosse Depression» bezeichneten Ereignissen setzte im Deutschen Reich ab 1873 eine Phase stagnierenden wirtschaftlichen Wachstums ein. Vgl. Henning, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 792–793.

11Das Deutsche Reich sicherte 1871 eine Beteiligung an der Subventionierung der Gotthardbahn im Umfang von 20 Mio. Franken zu. Vgl. Übereinkunft Beitritt Deutsches Reich 1871, Art. 1; Die Gotthardvereinigung, Absatz 33.

12Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «, wie» .

13 Mevissen liess sich an der Verwaltungsratssitzung der Gotthardbahn-Gesellschaft vom 3. März 1876 durch Geheimrat Franz Dülberg aus Berlin vertreten. Vgl. Prot. VR GB, 3. März 1876; Gustav von Mevissen an Alfred Escher, 29. Februar 1876.

14 Abraham von Oppenheim (1804–1878), Kölner Bankier, Teilhaber am Bankhaus Salomon Oppenheim junior und Compagnie, Verwaltungsrat der Gotthardbahn-Gesellschaft.

15Zeile nachträglich von Eschers Hand mit Bleistift markiert.

16 Mayer Carl von Rothschild (1820–1886), Mitglied des preussischen Herrenhauses, Leiter des Bankhauses Mayer Amschel von Rothschild und Söhne in Frankfurt am Main, Verwaltungsrat der Gotthardbahn-Gesellschaft.

17Zeile nachträglich von Eschers Hand mit Bleistift markiert.