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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2697 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 24. November 1875

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB)

Briefe

Luzern d. 24. Nov. 1875.

Hochverehrter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre, Ihnen im Anschluße die gewünschten Angaben betreffend die kilometrischen Längen, Kostenvoranschläge & Baustadien der noch im Baue befindlichen, bez. im Jahre 1874 noch im Baue gestandenen Linien der schweiz. Centralbahn zu übermachen. –

In Sachen des Voranschlages für die noch zu erstellenden Theile der Gotthardbahn drängt sich mir immer mehr der Gedanke auf, daß wir eine Kostenberechnung mit den v. Ihnen gestern erwähnten Ziffern gar nicht acceptiren können. Es kann & darf die Gotthardbahn eine solche Summe nicht kosten, das muß meines Erachtens unsere kategorische Forderung| an das technische Personal sein. Ich habe auch die Ueberzeugung, daß bei festem Willen das Projekt so gestaltet werden kann, daß wenigstens eine so exorbitante Ueberschreitung aller Voranschläge verschwindet, um so mehr, da fast alle Arbeitslöhne erheblich zurükgehen & die Preise einzelner Materialien, namentlich des Eisens, sogar unter diejenigen v. 1865/69 gesunken sind. Letzter Tage ist mir mitgetheilt worden, daß v. dem belgischen Hause Vendall gegenwärtig Eisenschienen voraussichtlich zu 165 fs., Bekkemer Stahlschienen zu 224 fs. pr. Tonne erhältlich sein werden. – Eine Reduktion der Kosten muß stattfinden, weil ich wie Sie zur Zeit gar keine Möglichkeit sehe, eine so koloßale Summe zu beschaffen & wir das Unternehmen nicht können zu Grunde gehen laßen.

Ich hoffe Ihnen Morgen auch die versprochenen| Kostenberechnungen v. Wetli v. 1863/64 & von Hrn Gerwig v. 1872 senden zu können.

Genehmigen Sie inzwischen die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftl. ergebenen

J. Zingg.

HHerrn Präsident Dr. A. Escher in

Zürich

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