Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Theodor Weishaupt
  • 1820
  • 1830
  • 1840
  • 1850
  • 1860
  • 1870
    1. an Theodor Weishaupt, 28. Februar 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardbahnprojekt AES B7221
    2. von Theodor Weishaupt, 4. März 1872 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten AES B7222
    3. von Theodor Weishaupt, 12. März 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Deutscher Bundesrat AES B7225
    4. von Theodor Weishaupt, 31. März 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Gotthardbahnprojekt AES B7234
    5. an Theodor Weishaupt, 14. April 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten AES B7235
    1. an Theodor Weishaupt, 25. Januar 1874 Schlagwörter: Eisenbahnen Betrieb, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B8139
    2. von Theodor Weishaupt, 28. Mai 1874 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardtunnel, Tunnelbau, Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahnprojekt AES B2659+
    1. an Theodor Weishaupt, 18. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Demissionen, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B7484
    2. von Theodor Weishaupt, 24. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Demissionen, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Gotthardbahnprojekt AES B7485
  • 1880
  • o. J.

AES B2659 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#541*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 188

Theodor Weishaupt an Alfred Escher, Berlin, Donnerstag, 28. Mai 1874

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Gotthardtunnel, Personelle Angelegenheiten, Tunnelbau

Briefe

Berlin den 28ten Mai 1874

Hochgeehrtester Herr Präsident!

Bei der großen Verehrung u Werthschätzung, welche ich für Sie empfinde, bedurfte es einer ungewöhnlichen Complication der Verhältnisse, um zu verhindern, daß Ihr Schreiben vom 25 Jenner ds;1 nicht sofort Beantwortung fand. Zunächst war es der Umstand, daß letztere in beiden an mich gerichteten Fragen einfach ablehnend hätte lauten müssen und das würde mir Ihnen gegen über sehr schwer geworden sein. Dann trat eine Zeit amtlicher Thätig keit ein, welche mich nahezu ab sorbirte und alle nichtdienstlichen Be ziehungen zerriß. Erst nach Schluß unseres Landtags habe ich angefangen, in die Privatpapiere Ordnung zu bringen, wobei ich mit Schrecken auch auf Ihre freundlichen unbeantwortet gebliebenen Zeilen gestoßen bin. Wenn es nun auch zu spät sein mag, das Unterlassene nachzuholen, so lege ich doch zu hohen Werth darauf, daß Sie mein Schweigen entschuldigen, als | daß ich nicht noch den Versuch machen sollte, durch Eingehen auf den Inhalt des Schreibens vom 25ten Jenner Ihren Wünschen in Etwas zu entsprechen.

Was zunächst das Engagement eines jungen tüchtigen BetriebsIngenieurs für die Gotthardbahn anlangt, so ist zwar die Auswahl auch hier zu Lande bei dem häufigen Wechsel des Personals in Folge des raschen Aus dehnens des Bahnnetzes nicht allzugroß, das Avancement ist rasch, die praktische Ausbildung läßt daher zu wünschen übrig. Immerhin gebieten wir über gute Kräfte. So darf ich Sie auf den commissarischen OberbetriebsInspector Sebald 2 in Saarbrücken aufmerksam machen (hat zur Zeit c. 1500 [...?] Gehalt u freie Wohnung, ist Candidat für höhere Stellen). Derselbe war unserer OccupationsArmee in Frank reich als Betriebstechniker beigegeben u spricht fertig Französisch. Saarbrücken ist für den Betrieb bei den schwierigen Verhältnissen u dem außerordentlichen Massenverkehr eine gute Schule. Vor dem Kriege war Sebald als Eisenbahnbau u BetriebsInspector| der Ostbahn in Berlin . Ein gleich falls sehr tüchtiger u für die Gott hardbahn geeigneter Betriebschef würde der Eisenbahnbau u Betriebs Inspector Schröder 3 in Elberfeld (i. 36 Jahr alt) sein, zur Zeit Chef des OberbetriebsInspectionsbüreaus u Alter Ego des auch wohl in weiteren Kreisen bekannten betriebstechnischen Mitglieds der K. Direction, Reg. u BauRath Brandhoff 4 . Nur sehr ungern würden wir Herrn Schröder oder Sebaldt verlieren, bei der unveränderten Anhänglichkeit an dem großen Unternehmen einer Gotthardbahn u bei der eminenten Wichtigkeit derselben für die Beziehungen Deutschlands mit der Schweiz u Italien würde jedoch auch dieses Opfer gebracht werden.

Die Erweiterung oder Ver legung des Bahnhofs Zürich be treffend5 , so vermag ich die Schwierig keiten wohl zu ermessen, welche sich einer richtigen Lösung ent gegenstellen, da wir selbst mit ähnlichen Aufgaben zu kämpfen haben. Leider bin ich selbst zur | Zeit nicht in der Lage, dem ehrenvollen Rufe zu folgen. Sofern noch ein weiteres Arbitrium erwünscht sein möchte, schlage ich Ihnen als vorzugsweise geeignet hierfür vor, den Geheimen Baurath Schneider 6 in der EisenbahnAbteilung des hiesigen HandelsMinisteriums u meinen alten Freund u zur Zeit Vorsitzenden des Directoriums der Magdeburg Leipziger EisenbahnGesellschaft, Geh Oberbaurath v. d. Koib. 7 . Insbesondere letzterer ist ein für solche Dinge eminent befähigter Kopf. Ich bin übrigens fern davon, den für die nächste Conferenz dort seits gewählten Herrn R.R. Schwabe 8 u GehRath Hartwich 9 mit jenen Vorschlägen zu nahe treten zu wollen. Beide sind tüchtige Techniker u ins besondere H. Schwabe im Betriebe gut erfahren. Herr Hartwich hat viel gebaut u gesehen, ist namentlich tüchtiger Kenner Englischer Anlagen, u so wird es dann wohl des Appels an die erstgenannten beiden Herrn nicht bedürfen. Auf von Ihnen gestellte Fragen erachte ich mich jedoch verpflichtet, nach strengster | Prüfung u mit größter Gewissen haftigkeit zu antworten, indem ich zugleich mich für versichert halte, daß dergleichen Perso nalnotizen als durchaus vertrauliche behandelt u ange sehen werden.

Mit Vergnügen ergreife ich den Anlass zur Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung. u Verehrung

Ihr

ganz ergebener

Th Weishaupt.

Sofern die Durchführung unserer umfangreichen organisatorischen Einrichtungen u die Einleitungen zum Ausbau zahlreicher Eisenbahn linien auf Staatskosten, wozu etwa 200 Millionen Thaler von der LandesVertretung bewilligt sind, es gestatten, darf ich hoffen, Sie dieses Jahr dort begrüßen zu dürfen.

T Weishpt

Kommentareinträge

1 Vgl. Alfred Escher an Theodor Weishaupt, 25. Januar 1874.

2Person nicht ermittelt.

3Person nicht ermittelt.

4 Eduard Brandhoff (1824–1891), preussischer Regierungs- und Oberbaurat, Mitglied der königlichen Eisenbahndirektion in Elberfeld.

5Die Einmündung neuer Linien und die Zunahme des Verkehrs erforderten eine Umgestaltung des Bahnhofs Zürich. Zur Debatte standen eine Neugestaltung des bestehenden Bahnhofs zwischen Limmat und Sihl oder eine komplette Verlegung des Bahnhofs nach Aussersihl. Die beigezogenen Experten Robert Gerwig, Schwabe und Emil Hartwich verwarfen die bereits erstellten Projekte, doch wiesen ihre eigenen Vorschläge ebenfalls Nachteile auf, worauf der Verwaltungsrat der Schweizerischen Nordostbahn den Vorschlag des Oberingenieurs der Schweizerischen Nordostbahn für den Bahnbau, Robert Moser, genehmigte. Dieser sah die Beibehaltung des Personenbahnhofs am bestehenden Ort und die Errichtung der Güter- und Rangieranlagen in Aussersihl vor. Das Bauvorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt. Vgl. Die Eisenbahn II, Nr. 11, 19. März 1875, S. 125–129; Geschäftsbericht NOB 1874, S. 71–75; Geschäftsbericht NOB 1875, S. 72.

6 Ludwig Schneider (1820–1893), Geheimer Baurat im Handelsministerium (Eisenbahnabteilung) des Königreichs Preussen.

7Person nicht ermittelt.

8Person nicht ermittelt.

9 Emil Hartwich (Lebensdaten nicht ermittelt), deutscher Ingenieur, Oberbaurat und Oberregierungsrat.

Kontexte