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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B2646 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#119*

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Montag, 9. Dezember 1872

Schlagwörter: Bundesgericht, Wahlen

Briefe

Glarus den 9. Decbr. 1872.

Mein theurer Freund!

Empfange meinen herzlichen Dank für die gütige telegraphische Anzeige meiner Wiederwahl in's Bundesgericht, die ich heute um halb 1 Uhr erhielt. Es hat mich natürlich sehr gefreut, daß mir abermals eine so glänzende Anerkennung zu Theil geworden ist, welche in der That bessrer Dienste würdig wäre als diejenigen sind, welche ich im Bundesgerichte, bei seiner jetzigen begränzten Kompetenz, leisten kann. Ganz besonders hat es mich auch gefreut, daß das Sprichwort: «les absents ont tort» an mir nicht in Erfüllung gegangen ist.

So eben habe ich durch meinen Schwager auch noch das Gesammtresultat der Bundesgerichtswahl erhalten. Ich bin mit derselben sehr wohl zufrieden. Die 4 Neuwahlen: Bühler, Messmer, Honegger, Rambert bringen uns tüchtige, zum Theil ausgezeichnete neue Kräfte u. eine Erfrischung, die der Gerichtshof gar wohl brauchen kann. Mit Häberli | habe ich gewißermaßen Mitleid, namentlich im Hinblicke auf seine gegenwärtige, durch körperliche Leiden veranlaßte Gemüthsstimmung; aber ich finde es aus verschiednen Gründen begreiflich, daß er nicht mehr gewählt wurde. Jost Weber ist wohl für seine schwankende u. unentschiedne politische Haltung bestraft worden; jedenfalls ist Bühler der bessere Jurist.

Ich wünsche Dir übrigens recht viel Vergnügen in der Bundesstadt; mögest Du dort etwelche Erholung von Deinen anstrengenden Geschäften finden! Grüße mir meinen Schwager u. alle Freunde, die mir nachfragen.

Mit herzlichstem Gruße

Dein treuer Freund

Dr. J J Blumer.