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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Schweizer
  • 1820
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  • 1840
  • 1850
  • 1860
  • von Friedrich Schweizer, 21. Mai 1863 Schlagwörter: Eidgenössisches Polytechnikum, Klöster (Aufhebungen), Universität Zürich AES B2002
  • 1870
    1. von Friedrich Schweizer, 21. April 1872 Schlagwörter: Kuraufenthalte, Familiäres und Persönliches, Tunnelbau, Lagebeurteilungen (diverse), Bundesrat, Haus und Garten (Bewirtschaftung) AES B2612
    2. von Friedrich Schweizer, 24. April 1872 Schlagwörter: Presse (allgemein), Liberale Presse, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Mont-Cenis-Bahn, Regierungsrat ZH, Wahlen, Schweizerische Bundesverfassung AES B2613
    3. von Friedrich Schweizer, 26. April 1872 Schlagwörter: Regierungsrat ZH, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Liberale Presse, Lagebeurteilungen (diverse), Tunnelbau, Gotthardtunnel AES B2614
    4. von Friedrich Schweizer, 3. Mai 1872 Schlagwörter: Kuraufenthalte, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Personelle Angelegenheiten, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bundesrat, Mont-Cenis-Bahn AES B2616+
    5. von Friedrich Schweizer, 4. Mai 1872 Schlagwörter: Vereinigte Bundesversammlung, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Liberale Presse AES B2617
    6. von Friedrich Schweizer, 10. Mai 1872 Schlagwörter: Tunnelbau, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Presse (allgemein), Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Wahlen, Liberale Presse, Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Eisenbahngesellschaften Offerten, Personelle Angelegenheiten AES B2619+
  • von Friedrich Schweizer, 28. August 1877 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardtunnel, Eisenbahnen Bau und Technik, Rechtliches, Gotthardbahnkonferenzen AES B3026+
  • von Friedrich Schweizer, 21. April 1879 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion AES B3233
  • 1880
  • o. J.

AES B2616 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#450*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 175

Friedrich Schweizer an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 3. Mai 1872

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Kuraufenthalte, Mont-Cenis-Bahn, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Zürich, den 3. Mai 1872.

Mein lieber Freund!

Herr Gerwig ist am 30. April Abends mit gewohnter Pünktlichkeit hier eingetroffen und hat mit großer Freude vernommen, daß deine Erholungskurs den gewünschten Erfolg hoffen läßt. Er sprach sich sehr befriedigt über die prächtige Anlage der Meldungsregister u. Aktenfascikel aus, die ihm bezüglich der Ingenieure u. Geometer fertig übergeben werden konnten. Am 1. Mai Abends habe ich ihn nach Luzern begleitet, von wo er gestern halb 10 Uhr Morgens nach Göschenen, Airolo u. s. w. abgereist ist. In Luzern hat er rasch alle Arbeiten des topograph. Bureau gemustert u. die nöthigen Pläne mitgenommen, die erforderlichen Aufträge für Ausführung weiterer Arbeiten ertheilt und das geeignete Personal mitgenommen. Schrafl ist eingerückt u. mit Gerwig, der auch Siegwart1 in Altorf abfaßt, nach Tessin gereist, um seine Station in Lugano zu nehmen. Fraschina2 wird sich ebenfalls zur Verfügung stellen. In spätestens 14 Tagen gedenkt Gerwig wieder hier einzutreffen u. dann die dringlichen Tracéstücke sofort in Zürich, wo er seine Ingenieure zu diesem Zwecke sammeln wird, ausarbeiten zu lassen. Es ist eine wahre Freude, wie rasch u. praktisch er alles, direkt aufs | Ziel losgehend, angreift und wie freundlich er mit dem Personal umzugehen gewohnt ist.

Mitfolgend sende ich dir einen Brief3 v. Tatti4, der hier war u. den ich an Herrn Gerwig gewiesen habe. Er reflektiert nicht auf den Tunnel, sondern auf offene Linien. Gerwig hat ihm alle zu seiner Orientierung nöthigen Aufschlüsse ertheilt. Bezüglich des Briefs5 von Jauch6 füge ich bei, daß Herr Direktor Weber Herrn Luisoni7 unter Zustimmung des Herrn Zingg als Adjunkt des Hrn Hallauer8 angestellt hat. Zum Schreiben9 Servadio10 theile ich mit, daß die franz. Exemplare des Protokolles des Verwaltungsrathes in den nächsten Tagen werden versendet werden. Hansemann verlangt auch Übermittlung der Interimsaktien an die Syndikatsleitung u. will von Zusendung derselben an die Mitglieder des Konsortiums nichts wissen. Ich habe Herrn Zingg ersucht, mit der Antwort zuzuwarten, bis du wieder da sein wirst. Diese hohe Finanz hat nichts als ihr pekuniäres Interesse im Auge; es wird wohl noch oft nöthig sein, die Rechte der Mitglieder des Konsortiums ihr gegenüber wahrzunehmen.

Tessin verlangt keinen weitern Finanzausweis u. Bundesrath theilt unsre Ansicht über die Linie «von Biasca bis zum Langensee.»-11

Herr Direktor Weber ist heute vor 8 Tagen mit Du| la12 endlich nach Göschenen u. Tessin abgereist, hat aber zum Beweise, wie dringlich die Expropriation in Göschenen u. Airolo sei, seinen Weg durch den Mont Cenis genommen! Gestern kam eine Depesche von ihm nach Luzern, worin er mittheilt, daß er in Modana alle Einrichtungen u. Maschinen gesehen u. sehr werthvolle Informationen über Personen u. Sachen eingezogen habe; in Chiasso u. Mendrisio habe er sehr herzliche Aufnahme gefunden, eine ohne Zweifel ebenso werthvolle Errungenschaft. Heute erhalte ich eine Depesche von ihm aus Bellinzona, in welcher er umgehende Zusendung des Anmeldungsverzeichnisses der sämmtlichen tessinischen Ingenieure u. Geometer verlangt. Herr Zingg hatte die Gutmüthigkeit, dieses Ansinnen noch per Telegraph zu befürworten! Ich hatte die Verwegenheit, demselben nicht zu entsprechen. Natürlich geschah dies mit allem Anstand, indem ich Herrn Zingg zu Handen des Herrn Weber erwiederte, ein solches Verzeichniß existiere nicht, die Anfertigung desselben würde das für Herrn Gerwig mit Ordnung der Meldungsakten beschäftigte Personal mehrere Tage versäumen u. in seiner sehr dringlichen Arbeit aufhalten, was kaum zu verantworten wäre, u. schließlich käme das Verzeichniß voraussichtlich erst dann in Bellinzona an, wenn Herr Weber bereits abgereit wäre. Ich habe mich über diese Zumuthung nicht | wenig geärgert u. wollte der Beschäftigung des Hrn W. mit Dingen, die ihn von seiner Aufgabe nur abziehen können, keinen Vorschub leisten. Wenn es sich um bloße Informationen handeln sollte, was ich übrigens nicht annehme so sind diese besser Herrn Gerwig zu überlassen.

Ich habe meinen Aufenthalt in Luzern benutzt, um Herrn Wanner etwas auf die Finger zu sehen, u. mich überzeugt, daß er sich nicht mit der Raschheit, wie man wohl von ihm erwarten dürfte, in seine Aufgabe hineinarbeitete. Ich habe die von ihm provisorisch angelegte Geschäftskontrole mit ihm durchgegangen. Obwohl er Abschrift des Protokolls u. alle Akten zur Verfügung hat, ist er doch über den Inhalt der Archivalien nicht gehörig orientiert. Es fehlt bei der Angabe des Inhaltes an der gehörigen Präcision u. Schärfe u. die sachliche Ordnung der Akten wird er ohne Beihülfe kaum recht zu Stande bringen. Es fängt mich dies an zu beunruhigen. Herr W. sagt jedesmal, wenn ich einen Gegenstand mit ihm besprochen habe, nun sei ihm Alles klar, u. wenn ich wieder komme, ist alles wie zuvor! Wenn ich nur überall zugleich sein könnte! Ich wollte mit Hülfe meines Protokollregisters die zusammengehörigen Akten bald beisammen haben. – Herr Zingg unterzeichnet den ganzen Tag Interimsaktien. Dula ist in Tessin u. Peyer13 immer noch in Bern mit Verification der Kautionstitel beschäftigt. Zähringer14 u. Furrer15 sind eingerückt. Das Rechnungsbureau hat Cramer16 in guter Ordnung. Nächstens mehr.

Herzliche Grüße dein

F Schw.

Von Ehrhardt17, der dato in Baden ist u. den ich letzthin Abends schnell besucht habe, wirst du wohl direkte u. gute Nachricht haben.

Im Belvoir u. Tiefenhof18 ist alles wohl.19

Kommentareinträge

1 Josef Ernst Siegwart (1834–1913), Urner Ingenieur.

2 Carlo Fraschina (1825–1900), Tessiner Ingenieur, Vorstand der Sektion Bellinzona der Gotthardbahn-Gesellschaft.

3Brief nicht ermittelt.

4 Luigi Tatti (1808–1881), Architekt und Ingenieur aus Mailand, Verfasser mehrerer Studien über die Alpenbahnfrage, beteiligt an verschiedenen Eisenbahnbauten in Italien.

5Brief nicht ermittelt.

6Vermutlich Giovanni Jauch (1806–1877), Grossrat (TI).

7 Gaetano Luisoni (1822–1880), Tessiner Ingenieur, Adjunkt des Expropriationskommissärs der Gotthardbahn-Gesellschaft im Tessin.

8 Johannes Hallauer (1827–1884), Ständerat (SH), Expropriationskommissär der Gotthardbahn-Gesellschaft in Uri und im Tessin.

9Schreiben nicht ermittelt

10 Giacomo Servadio (gest. 1875), italienischer Bankier, Präsident der Società generale di Credito Provinciale e Comunale, Verwaltungsrat der Gotthardbahn-Gesellschaft.

11Der Staatsvertrag von 1869 sah die Errichtung einer Verbindung von Biasca über Bellinzona und Magadino bis zur italienischen Grenze gegen Luino am Lago Maggiore vor, wo sie Anschluss ans italienische Netz erhalten sollte. Dieser Linie sollte eine Zweigbahn nach Locarno angeschlossen werden. Die Linie von Biasca an den Lago Maggiore musste laut Staatsvertrag bereits 3 Jahre nach Bildung der Gesellschaft, also im Dezember 1874, fertiggestellt sein. Uneinigkeit bestand nun, ob mit dieser früher zu erstellenden Linie BiascaLocarno oder BiascaMagadino gemeint sein sollte. Die Gotthardbahn-Gesellschaft stellte sich auf den Standpunkt, es handle sich um die Linie nach Locarno, während jene an die italienische Grenze via Magadino erst mit Fertigstellung des Gotthardtunnels betriebsbereit sein müsse. Vgl. Geschäftsbericht GB 1872, S. 12–14; Prot. BR, 24. April 1872; Staatsvertrag Gotthardbahn 1869, Art. 1, 3.

12 Franz Dula (geb. 1840), Sekretär der Direktion der Gotthardbahn-Gesellschaft, Obergerichtsschreiber in Luzern.

13 Ernst Peyer (geb. 1845), Sekretär der Direktion der Gotthardbahn-Gesellschaft.

14 Hermann Eduard Zähringer (1823–1880), Chef des Büros der Rechnungsrevision der Gotthardbahn-Gesellschaft, ehemaliger Rektor und Professor der Mathematik an der kant. Realschule Luzern.

15 Albert Furrer (geb. 1842), Hauptbuchhalter der Gotthardbahn-Gesellschaft.

16Vermutlich Heinrich Cramer-von Wyss (1829–1906), Zürcher Politiker, Autorität in öffentlichen Rechnungsfragen. – Oberstleutnant Cramer hatte sich im Dezember 1871 bereit erklärt, die Einrichtung der Buchführung und des Rechnungswesens der Gotthardbahn-Gesellschaft zu übernehmen, und übte diese Funktion bis Juni 1872 aus. Vgl. Prot. Dir. GB, 12. Dezember 1871 (S. 12), 3. Juli 1872 (S. 410–411).

17 Friedrich Gustav Ehrhardt (1812–1896), Oberst im eidg. Justizstab; Hausfreund der Familie Escher und enger Vertrauter Alfred Eschers, war für ihn verschiedentlich als Anwalt in Privat- wie in NOB-Angelegenheiten tätig.

18Der Gebäudekomplex der «Tiefenhöfe» umfasste im wesentlichen das Gebiet in Zürich zwischen dem heutigen Paradeplatz und dem See. Hier, wo ursprünglich auch die Schweizerische Kreditanstalt ihren Geschäftssitz hatte, richtete Escher 1868, nach dem Tod seiner Mutter, für seine Tochter Lydia einen eigenen Haushalt mit einer Erzieherin ein und besuchte sie abends oft. Lydia zog ca. 1873, nachdem die Erzieherin in Ungnade gefallen war, wieder im Belvoir ein. Vgl.Ausführungen von Berta Rieter-Bodmer (ZBZ NL Gagliardi, Dossier 61); Jung, Aufbruch, S. 312, 314, 805–807.

19Ergänzung am Rand der letzten Seite.