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Korrespondenz: Alfred Escher – Arnold Escher von der Linth

AES B2599 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#187*

Arnold Escher von der Linth an Alfred Escher, Zürich, Montag, 19. Februar 1872

Schlagwörter: Eidgenössisches Polytechnikum, Entomologie, Flora und Fauna, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten

Briefe

Zürich 19 Febr. 1872.

Verehrter Herr Präsident!

Sie haben wohl aus Heer's Brief, der sich seite heute früh in Ihren Händen befinden wird, schon gesehen, daß unser Freund wohl hofft in Zukunft noch etwa kleinere Collegien halten, seine vielen Materialien bearbeiten & die Sammlungen gehörig bestimmen zu können, daß er aber, ich fürchte mit nur zu viel Recht das Gefühl & die Überzeugung hat das in mehrfacher Beziehung sehr anstrengende Colleg der speciellen Botanik nicht mehr geben zu können. Der bedenkliche Zustand, in den er in meiner Gegenwart auf der Excurs. mit den Botanikern bei Überschreitung der zwischen Wildhaus & Walenstatt befindlichen Lösis-Höhe gerathen ist, haben mir schon damals die Überzeugung beigebracht, daß solche Excursionen & auch die kleineren, die sämmtlich wegen des unvermeidlichen vielen Sprechens, wegen der Unmöglichkeit den für Heer so perniciosen kleinen Verkältungen, vorzubeugen, weit anstrengender & für ihn gefährlicher sind als ein Gang mit einem | Freunde, ihm mehr schaden als Genuß & Erheiterung gewähren. Ich muß daher vollständig seinem Wunsche «der speciellen Botanik & des andern obligator. Collegs» definitiv enthoben zu werden, beistimmen. Ist dieß einmal geschehn, der für ihn schwere Schritt wirklich vollbracht, so wird er sich beruhigen, nicht bei jedem nahenden Semester in fieberische Aufregung gerathen.. Sehr dankbar wäre ich Ihnen für kurze Mittheilung Ihrer Ansicht über die Frage, ob Heer in der neuen Stellung vom Polyt. den Jahresgehalt von fr. 4000 erhalten kann; verdient hat er ihn jedenfalls reichlich & seine wenn auch als Lehrer eingeschränkten Thätigkeit am Polyt. wird dem Letztern immer sehr wohl anstehn. Man darf in dieser Beziehung fest darauf hinweisen, daß Heer gegenwärtig eine der ersten, wenn nicht die erste Autorität für fossile Pflanzen & Insecten ist; sonst würden ihm die Scandinavier nicht ihre Nordischen Fünde aus der Stein Kohlen- aus der Kreide & aus der TertiärPeriode zur Untersuchung schicken, ebenso die | stolzen Britten, deren Botaniker selbst seine Berufung nach England zu Untersuchung der tertiären Bovey Kohlen 1862 betrieben haben & die ihm in den letzten Jahren frische Pflanzen aus der alten Steinkohle zugeschickt haben. Selbst aus Deutschland, wo doch Goppert in Breslau, ist er von Königsberg, von Würzburg etc. etc. mit Zusendungen eigentlich überschwemmt worden, so daß er sich derselben erwehren mußte.

Kann Heer die 4000 fr. vom Polyt. fortbeziehn, erhält er aber, nach seinem eignen Briefe nichts vom Ktn Zürich, so frägt sich, ob nicht die Stadt Zürich ihm in Betracht der vielen auf ihre Sammlungen bereits verwendeten & noch zu verwendenden Zeit ihm noch ein bene hinzufügen könnte, sei es in einer Aversal-Summe,, einer jährlichen Gratification oder in Beidem; ich glaube, daß H. Stadtrath Landolt gar nicht abeneigt wäre zu irgend einem dießfälligen Arrangement Hand zu bieten. Ein solcher Zuschuß würde dann Heer die Möglichkein etwa eines Land-Aufenthalts, eines Reischens mit seiner Familie gewähren. Ich denke aber, daß man mit dießfäll. Anfragen zuwarten würde, bis der Polyt.-Gehalt festgestellt ist. |

Mit bestem Danke noch für die fr 400 die das Gotthard Comité mir zugeschickt hat & für deren Verwendung mir nicht bange ist.

Ihr hochachtungsvoll & freundschaftlich ergebener

Arnold Escher