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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Friedrich Peyer im Hof

AES B2592 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#391*

Johann Friedrich Peyer im Hof an Alfred Escher, s.l., Sonntag, 31. Dezember 1871

Schlagwörter: Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Lieber Freund!

Meiner Zusage gemäß will ich das alte Jahr nicht zum Schluße gelangen lassen, ohne Dir meine Entschließungen in der wichtigen Angelegenheit, welche in diesen Tagen den Gegenstand unserer vertraulichen Besprechung gebildet hat, zur Kenntniß zu bringen.

Ich will hier die sachlichen und persönlichen Gründe nicht wiederholen, welche mir einen Entschluß so schwer machen, wohl aber bitte ich Dich zu glauben, daß mir derselbe durch die verschiedenen hießigen Verhältniße und Beziehungen, wie mir solche in den letzten Tagen nun hier entgegen getreten sind, nicht erleichtert worden ist. Wenn ich Dir darum hiemit die Erklärung abgebe, daß ich bereit bin, eine auf mich fallende Wahl zum Präsidenten der Direktion der Nordostbahn anzunehmen, so thue ich es nicht leichten Herzens. – Abgesehen von den allgemeinen Gründen, welche mir das Verlassen meiner bisherigen Lebensstellung schwer machen, kann ich, wie schon mündlich bemerkt, einzelne Beziehungen nicht | unmittelbar lösen und muß daher heute den ebenfalls schon mündlich gemachten Vorbehalt wiederholen, daß im Fall meiner Wahl eine sofortige Uebersiedlung nach Zürich nicht von mir verlangt wird, sondern daß mir hiefür eine Frist von sechs bis acht Monat eingeräumt bleibt. Ich bin zu dieser Bedingung veranlaßt, um eben einerseits jene Beziehungen in befriedigender Weise abwickeln zu können, und um andrerseits dann wo möglich auch eine zu große Einbuße bei der Verwerthung meines hießigen liegenschaftlichen Besitzthums abzuwenden. Dabei hat es selbstverständlich die Meinung, daß ich mich wöchentlich mehrere Tage zur Erledigung der Geschäfte am Sitze der Direktion einfinden und im Weitern auch unmittelbar aus denjenigen Stellen austreten würde, welche mit der Stellung eines Präsidenten der Direktion unvereinbar erscheinen.

Daß diejenigen Bedenken, welche für mich in der | Größe und dem Umfange der zu lösenden Aufgaben liegen, wesentlich gemindert werden durch den Gedanken, daß ich mich für die Zukunft Deines freundlichen Rathes versichert halten darf, brauche ich schließlich wohl kaum beizufügen.

Mit den herzlichsten, aufrichtigsten Wünschen zum Jahreswechsel, der ja auch Dich in eine neue Lebensstellung einführt und darum ein besonders bedeutungsvoller ist, wie immer

Der
Deine

Peyer im Hof

Friedau, 31 Decb 1871.

Meine gestrige Zusendung wird Dir geworden sein. Ich habe den Brief Thommens heute nochmals durchgelesen, und bin dabei in dem Eindruck bestärkt worden, daß sich darin ein Mann ausspricht, wie Du Dir ihn selbst gewiß am meisten zur Mitwirkung an dem großen Werke wünschest. –