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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Karl Kappeler

AES B2589 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#300*

Johann Karl Kappeler an Alfred Escher, Zürich, Mittwoch, 20. Dezember 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Eidgenössischer Schulrat, Grosser Rat / Kantonsrat ZH

Briefe

Mein Freund!

Auf meinem Krankenlager lese ich mit einem wahren Gefühl von Mißbehagen um der Sache willen, den Beschluß resp den 2t Wiedererwägungsbeschluß des Zürcherischen Großen Raths über den Ansatz für den Bau der Landwirthschaftl Schule. Es ist nemlich von höchster Wichtigkeit daß der Bau Anhandgenommen & gefördert werde. In Folge der letzten Beschlüsse im Schulrath bin ich auch mit dem Chemiker für diese Abtheilung (Ritthausen in Bonn) schon vor mehr als einer Woche in Unterhandlung getreten & hatte ihn eingeladen über die Weihnacht Zur Unterhandlung nach Zürich zu kommen. Nun ist ja wieder Alles auf warhaft klägliche Art mit Systirung bedroht. Kann nicht von Deiner Seite Etwas geschehen damit die Angelegen- | heit doch Anfangs Januar vor dem Zürcherischen Großen Rath erledigt wird? Wenn die Regierung ja den Bericht nicht vorlegt wie er im letzten Beschluß verlangt wird, so ist Alles auf die lange Bank geschoben, was für diese Abtheilung von ganz entschiedenem Nachtheil ist & die bereits Angestellten zum Aufgeben ihrer Stellungen ermuthigt. An Berufungen würde es Denselben kaum fehlen. Herr Landolt den ich noch wegen Novodny noch speziell befragte rieth ganz entschieden Denselben ja nicht gehen zu lassen. Er hält ihn für außerordtlich tüchtig. Kann nicht irgend ein ernster Schritt geschehen um die Sache wegen des Bau's zu fördern? Kannst Du nicht persönlich auf die Regierung wirken, oder soll der Bundesrath einen entschiedenen Schritt thun?

Die Sache ist durchaus nicht nur als Section | von Bedeutung fürs Politechnikum, sondern es ist für die ganze Ausdehnung der Anstalt in naturwissschftl Richtung namentlich von allerhöchstem Werth & die Prosperität der Abtheilung (wenn namentlich auch die 3te Professur noch gut besetzt wird) scheint mir absolut gesichert.

Ich bitte Dich, sprich auch mit Hr Dubs (Ich weiß nun in meinem Bett nichts zu thun & das dauert mindestens noch bis den 8t Januar, wenn ich nur dann nach Bern kann) Suche wenn Du irgendwie kannst doch zu sichern daß im nächsten Großen Rath in Zürich (den 8t Januar meine ich) die Sache vorkömmt & erledigt wird & daß Du die Sache dort mit Kraft vertreten kannst.

Mit Gruß Dein

C Kappeler

Zürich den 20t Dec 1871.

Ich schreibe in ungeschickterLage im Bett. Stadler (der Architect) kömmt nun auch noch & verlangt seine Entlassung auf Ostern!!