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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B2584 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#454*

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Basel, Mittwoch, 13. Dezember 1871

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Rechtliches, Schweizerische Centralbahn (SCB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

SCHWEIZERISCHE
CENTRALBAHN
Directorium

Basel, den 13 Dec. 1871.

Lieber Freund!

Damit Du in einer Dir gelegenen Stunde mir Deine Ansicht über Werth & Gültigkeit der der C.B. in den Paragraphen 31 der Konzessionen der Kantone Bern & Solothurn enthaltenen Vorrechte mittheilen möchtest, erlaube ich mir, Dich um Prüfung der bezüglichen Konzessionsvorschriften mit Beziehung auf die angekündigten Konzessionsgesuche einerseits für die sogenannte Gäubahn v. Olten über Wangen nach Solothurn & von Solothurn nach Lyß & anderseits für eine Bahn v. Herzogenbuchsee nach Lyß zu ersuchen. Außer den in Art. 31 bezeichneten Vorrechten stehen der C.B. auch Ausschlußrechte zu, gegen welche eventuell eben Zwangskonzess. Begehren angekündigt sind & über | welche Begehren die C.B. zunächst sich auszusprechen aufgefordert ist. Da nun diese Ausschlußrechte mit oder ohne Verzicht der C.B. dahin fallen – gegenüber dem Kant. Solothurn ist dieser Verzicht bereits bei Anlaß der Solothurn'schen Gotthardsubvention ausgesprochen worden – so frägt es sich, ob & auf welche Theile dieser Projekte wenigstens noch Vorrecht mit Aussicht auf Erfolg angesprochen werden könnte?

Das Projekt OltenSolothurnLyss durchzieht sowohl zwischen Olten & Solothurn, wie zwischen Soloth. & Lyß Solothurn'sches & Bernisches Gebiet; dasjenige von Herzogenbuchsee nach Lyß berührt nur Bernisches Gebiet.

Für den Fall nun, daß die C.B. Behörden es angemessen erachten würden, die eine oder die andere dieser beiden | Linien zu übernehmen, solche aber freiwillig von den betreffenden Konzessionsinhabern & Kantonsbehörden nicht abgetreten werden wollten, frägt es sich, ob die in genannten Art. 31 enthaltenen Vorrechte sei es im Kant. Bern, sei es im Kant. Solothurn zutreffen?

Bezüglich der Gäulinie ist zu Abtretung an die C.B. keine Geneigtheit vorhanden. Dieselbe ist in der betreff. Konzession des Kantons Solothurn in 2 Abtheilungen genannt: 1., OltenSolothurn 2., SolothLyss. Soloth. & Bern haben ferner eine Konzession für eine beiderlei Gebiete berührende Bahn v. Soloth. nach Burgdorf ertheilt & bezüglich dieser Linie sind wir in aller Form angefragt, ob wir unser Vorrecht geltend machen wollen? Kann nun OltenSoloth. nicht ebenso gut als Zweigbahn angesehen werden, wie Soloth.Burgdorf? | Und Soloth.Lyß deßgleichen? Dieses gemäs Art. 31 der Sol. C.B. Konzession. Und kann nach Art. 31 der Berner C.B. Konzession überdieß nicht noch das Vorrecht wegen Verlängerung sei es v. Olten n. Solothurn, sei es von Soloth. n. Lyß angesprochen werden. Auf lezterer Streke ist der größere Theil Bernisch, auf ersterer Solothurnisch.

In Bezug auf die rein Bernische Linie HerzogenbuchseeLyß erscheint mir das Vorrecht auf Verlängerung sehr zutreffend & tritt dießfalls noch Bereitwilligkeit der Träger dieses Projekts hinzu, sich mit uns zu verständigen. Lasse mich nun gefälligst wissen, wo & wann ich während einer ruhigen Stunde mit Dir über diese Verhältnisse reden könnten? Da wir in nächster Zeit unser dießfälliges Vorgehen zu erörtern zu bestimmen haben, so wäre mir Deine bezügliche einsichtige Meinung von großem Werth & bitte ich Dich um | den Freundschaftsdienst näherer Erwägung & baldiger fälliger Besprechung mit mir. Verzeihe die Mühe & genehmige meinen freundschaftl. ergebensten Gruß.

Siegfried.