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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2571 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 164

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Sonntag, 29. Oktober 1871

Schlagwörter: Absagebriefe (diverse), Bundesrat, Wahlen

Briefe

Hochverehrter Herr u Freund

Wie ich Ihnen schon telegraphisch berichtet habe findet Dienstag Nachmittag der Ratificationsaustausch statt.1 Da wir noch nicht einmal sicher sind ob die italienischen Instrumente rechtzeitig anlangen werden und dieselben wie wir erfahren haben das Datum des Berliner- Vertrages2 unrichtig angeben3 | so können möglicherweise noch allerlei kleine Schwierigkeiten zu ebnen sein. Dazu kommt nun aber, dass wir schon lange verabredet haben an diesem Tage ein zwar ganz privates aber wie ich hoffe nicht minder freundliches «Ratifications-Diner» zu veranstalten, bei dem ich nun nicht fehlen dürfte, so ungemein weh mir auch die Wahl thut, wie ich Ihnen kaum zu versichern brauche. | Empfehlen Sie mich aufs höflichste Ihrer Familie und Ihren Freunden die ich bei diesem Anlass sehr gerne wieder einmal gesehen hätte.

Aber wann soll ich nun kommen? Ich bin die ganze Woche frei und gewärtige Ihren Ruf. Wäre es Ihnen möglich es so einzurichten, dass ich um 10 Uhr ankäme und um 2 Uhr wieder verreisen könnte, oder auch mit dem Schnellzug? |

Sehr wünschenswerth wäre es wenn wir uns sähen bevor der Bundesrath die Wahlen in den Verwaltungsrath vornimmt, was spätetens am Donnerstag geschehen muss insofern wir unsere Wahlen zuerst treffen.4

Mit herzlichem Danke für Ihre Freundlichkeit

Ihr ergebenster

E Welti

Bern den 29. Okt. 1871.

Kommentareinträge

1In seinem Brief vom 27. Oktober kündigte Welti den Austausch der Ratifikationsurkunden der am 28. Oktober geschlossenen Übereinkunft über den Beitritt des Deutschen Reichs zum Staatsvertrag von 1869 für den 31. Oktober an. Vgl. Emil Welti an Alfred Escher, 27. Oktober 1871; Die Gotthardvereinigung, Absatz 41.

2 Vgl. Übereinkunft Beitritt Deutsches Reich 1871.

3Der Schweizer Gesandte in Berlin, Bernhard Hammer, berichtete dem Bundesrat mit Brief vom 28. Oktober von der Unterzeichnung der Übereinkunft. Er erwähnte auch die Unsicherheit der Datierung der italienischen Ratifikationsurkunde und legte die Gründe dar, wieso die Unterzeichnung der Übereinkunft erst am 28. Oktober erfolgen konnte. Vgl. Schreiben Bernhard Hammer an Karl Schenk, 28. Oktober 1871, in: DDS II, S. 600.

4Die Hälfte des aus 24 Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrates wurde vom Bundesrat und der Gotthardvereinigung gewählt, die andere Hälfte von den Mitgliedern des Finanzkonsortiums. Am 4. November nahm die ständige Kommission der Gotthardvereinigung die Wahlen der ersten sechs Verwaltungsratsmitglieder vor; der Bundesrat wählte die von ihm zu bestimmenden Mitglieder am 13. November. Vgl. Schreiben Ausschuss Gotthardvereinigung an Mitglieder VR GB, 27. November 1871 (BAR J I.67-8); Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 4. November 1871, 27. November 1871; Prot. ständige Kommission Gotthardvereinigung, 4. November 1871 (S. 30–31); Prot. BR, 9. November 1871; Prot. BR, 13. November 1871; Geschäftsbericht GB 1872, S. 22–23; Statuten GB, Art. 36.