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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2569 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Aufbruch, S. 677 (auszugsweise) | Gagliardi, Escher, S. 594 (auszugsweise)

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Freitag, 27. Oktober 1871

Schlagwörter: Deutscher Reichstag, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB)

Briefe

Hochgeehrter Herr u Freund

Ich habe Ihnen schon mitgetheilt, dass die bundesräthliche Commission beschlossen habe sich persönlich bei Ihnen dafür zu verwenden, dass Sie sich entschliessen möchten an die Spitze der Direction der Gotthardbahn zu treten; dieselbe hat mich nun beauftragt dieses Gesuch bei Ihnen zu stellen. Wenn ich mich diesem Auftrage gern unterziehe, so geschieht es nicht in der albernen | Meinung als ob meine Vorstellungen auf Ihren Entschluss einzuwirken im Stande wären; aber ich würde gleichwol meine Pflicht gegen die grosse Unternehmung zu verletzen glauben wenn ich nicht mein Möglichstes versuchen wollte. Meine Bitte geht zunächst dahin Sie möchten mir gefälligst sagen, wo u wann ich Sie treffen könnte. Bestimmen Sie Zeit u Ort ganz nach Belieben; | ich bin die ganze nächste Woche disponibel.

Gleichzeitig mit Ihrem Berichte über die Bildung des Consortiums sind heute bereits von drei Seiten (Rothschild, Bleichröder und Discontogesellschaft) Cautionen eingegangen; wovon der Gotthardvereinigung Kenntniss gegeben werden soll, mit dem Gesuche es möchte jeweilen von ihrer Seite die Annehmbarkeit der Caution ausgesprochen werden. |

In einem Gespräche mit Herrn Melegari hatte ich heute Gelegenheit zu bemerken wie sehr man in Italien darüber beunruhigt ist es möchte die italienische Subscription dem deutschen Capital zu gut kommen; es war mir sehr lieb ihn darüber gestüzt auf Ihre Mittheilung beruhigen zu können.

Von Berlin erfahren wir, es soll heute oder morgen der Vertrag unterzeichnet werden. Der Kaiser wird denselben vorgängig der Genehmigung des Reichstages ratificiren u am 31t werden hier die Ratificationen ausgetauscht.

Ihr ganz ergebener

E Welti

Bern 27. Oct. 1871.