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Korrespondenz: Alfred Escher – Eugen Escher

AES B2565 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#188*

Eugen Escher an Alfred Escher, Zürich, Sonntag, 22. Oktober 1871

Schlagwörter: Grosser Stadtrat Zürich, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Zürich, 22. October 1871.

Hochgeachteter Herr und Freund,

Beiliegend übermittle ich Ihnen ein Zirkular der städtischen Eisenbahnkommission. Dasselbe hat mich nicht sehr angenehm berührt. Es giebt mir Kenntniß von einer Sitzung, zu der ich eine Einladung gar nicht erhalten habe, durch ein unerklärliches Versehen. Dieser Punkt ist jedoch untergeordnet; was mich mehr stößt, ist die sehr oberflächliche und einseitige Art, wie man die Angelegenheit der beiden Seebahnen an die Hand nimmt, daneben auch die völlig schiefe Stellung, in welche die Eisenbahnkommission sich verdrängen läßt.

Meines Erachtens sollte die Kommission nachdem sie die Angelegenheit besser abgeklärt, nun auch mit den Seebahnen an den Großen Stadtrath gehen und sich von diesem Vollmachten über deren weiteren Behandlung | geben lassen. Geschickt angepackt, sollte sich dabei ein Ziemliches für Beschwichtigung beider Seeufer erreichen lassen, während eine jetzt sich auf den sicheren Weg zum Gegentheil verirrt.

Materiell scheint mir schon der Beschlussesantrag über die linke Seebahn voreilig. Bei der augenscheinlichen Identität der Interessen der Stadt und der Nordostbahn auch in dieser Frage wünschte ich vor Allem eine Verständigung Beider über das weitere Vorgehen. Über das Einzelne äußere ich mich daher nicht.

Beim rechten Seeufer halte ich es geradezu für ein politisches Vergehen, in so nackter Weise eine engherzige Verhinderungspolitik zur Schau zu tragen. Ich wünschte im Gegentheil einen freiherzigen Subventionsbeschluß vorerst des Großen Stadtrathes, allerdings unter Bedingungen, welche sich gegenwärtig nicht | erfüllen lassen. Daneben muß offenbar in der Tracefrage noch gründlicher gearbeitet werden; nach dem, was ich vernommen, würde Alles, auch die Rechtsfrage, ziemlich obenhin behandelt.

Ich habe Herrn Dr Römer geschrieben, daß ich, weil nicht in der Sitzung anwesend, mich über das Zirkular zu äußern nicht in der Lage sei, sezt aber allerdings dagegen Einwendungen zu erheben im Falle wäre.

Da auch Sie verhindert waren, an der Sitzung theilzunehmen, finde ich angemessen, das Zirkular zunächst Ihnen zuzustellen. Sehr wahrscheinlich wird schon in Folge meiner Äußerung, jedenfalls aber, falls Sie Ihrerseits ebenfalls Bedenken äußern, eine neue Kommissionssitzung veranstaltet werden.

In steter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

Dr E. Escher

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