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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2553 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#80*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 156

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Freitag, 22. September 1871

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Regierungsrat ZH, Schweizerische Bundesverfassung, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Stadträte (allgemein)

Briefe

Hochverehrter Herr & Freund!

Besten Dank für Ihre Mittheilungen vom 20 dss. Mon.

Beiliegend übermittle ich Ihnen die Abschrift1 der Antwort des Stadtrathes von Winterthur auf unsere Ihnen bereits bekannte Zuschrift an denselben betr. die Bedingungen, an welche er die Abtretung der Aargauischen Conzession knüpft.2 Sie sehen, daß bereits nicht so fest die Direction der N.O.B. als vielmehr der Cantonsrath & der Reg.rath von Zürich auf der Anklagebank sitzen!!

Ich wünsche sehr, über diese Angelegenheit, über die Gotthardsache (namentlich | über die Sitzfrage, welche zu den brennendsten gemacht werden zu wollen scheint) & über die Bundesrevision 3 mündliche Rücksprache mit Ihnen zu pflegen. Zu diesem Ende hin würde ich am Sontag Abend in Bern eintreffen & Sie ersuchen, um 7 Uhr im Bernerhofe mit mir das Diner einzunehmen. Während desselben & nachher würden wir die zu unserer Unterredung nöthige Zeit finden. Am Montag früh würde ich wieder abreisen. Darf ich Sie bitten, mir nach Empfang dieser Zeilen durch den Telegraphen anzuzeigen, ob Sie mit meinem Vorschlage einverstanden seien.4

Mit herzlichstem Gruße

Ihr

Dr A Escher

Zürich
22. Septr 1871.

Kommentareinträge

1Beilage nicht ermittelt.

2Für den Bau der LinieWinterthurWaldshut über Weiach hatte der Stadtrat von Winterthur sowohl vom Kanton Aargau als auch vom Kanton Zürich die Konzession erhalten. Die Schweizerische Nordostbahn bestand aber auf das ihr in früheren Verträgen eingeräumte Prioritätsrecht auf diese Verbindung und strebte die Übertragung der Konzessionen an. Diese erfolgte am 28./30. September 1871 durch den Kanton Aargau, am 7. Oktober 1871 durch den Kanton Zürich. Vgl. Geschäftsbericht NOB 1871, S. 4–6; Emil Welti an Alfred Escher, 15. August 1871; Alfred Escher an Emil Welti, 18. September 1871; Emil Welti an Alfred Escher, 20. September 1871.

3Eschers Haltung in der Frage der Revision der Bundesverfassung 1871/72 wird behandelt bei Gagliardi, die abgelehnte Revision 1872 bei Kölz. Vgl. Gagliardi, Escher, S. 591, 599–606; Kölz, Quellenbuch II, S. 128–150.

4Telegramm nicht ermittelt.