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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2551 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#547*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 155

Emil Welti an Alfred Escher, s.l., Mittwoch, 20. September 1871

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat ZH

Briefe

Verehrtester Herr u Freund 1

Ich sage Ihnen für die letzten Mittheilungen meinen besten Dank. An Herrn Künzli2 habe ich noch von hieraus geschrieben um ihn zu einer categorischen Erklärung gegenüber der Regierung von Zürich zu veranlassen u auch in Zurzach ist alles geschehen was überhaupt nur möglich ist. Ich hoffe auch auf baldigen | Erfolg.3

An den Entwurf eines Vertrages mit der Finanzgesellschaft habe ich mich gemacht u sehe dass die Sache sehr wohl überlegt sein will; sobald mehr Gestalt gewonnen hat, will ich Ihnen weitere Mittheilungen machen.

Von Herrn Gonzenbach4 erhalte ich so eben den inliegenden an ihn gerichteten Brief5. Er hat keine Antwort darauf gegeben, dagegen wäre es wohl gut wenn die Verbindung | von Ihnen unterhalten würde.

Ich habe mir Mühe gegeben die beiden Finanzvorschläge genau zu prüfen u komme immer mehr auf den Gedanken dem Deutschen den Vorzug zu geben. Finanziell ist derselbe nur wenig ungünstiger u auch das nur unter der Voraussetzung dass die Obligationen nicht höher als pari übernommen werden u dass bei dem andern Project keine Gewinnbetheili| gung in Betracht kommt. Ich erlaube mir die von mir angestellte Berechnung beizulegen, um gelegentlich zu erfahren ob meine Auffassung die Richtige ist.6

In Berlin haben wir Erkundigung über den dortigen Stand der Sache einziehen und den dringenden Wunsch um Beförderung aussprechen lassen; ebenso Herrn Pioda beauftragt dahin zu wirken, dass dasselbe von Seite der ital. Regierung geschehe.

Mit herzlichstem Grusse

Ihr

E Welti

20 Sept. 1871.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit roter Farbe: «1033 (sammt 1 Beilage)» . – Nachträgliche Notiz oben links auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «An Hrn Dr. A Escher»

1Notiz oben links auf Seite 1: «An [Her?] Dr. A. Escher»

2 Arnold Künzli (1832–1908), Regierungsrat und Nationalrat (AG).

3Diese Massnahmen galten der Linie WinterthurWaldshut. Emil Welti an Alfred Escher, 15. August 1871; Alfred Escher an Emil Welti, 18. September 1871; Alfred Escher an Emil Welti, 22. September 1871.

4 August von Gonzenbach (1808–1887), Grossrat und Nationalrat (BE), Verwaltungsrat der Chemins de fer du Jura bernois, Direktionspräsident der Berner Handelsbank; Gonzenbach lobbyierte im Auftrag der Gotthardvereinigung in Italien.

5Brief nicht ermittelt.

6Bei den von Welti verglichenen Finanzierungsvorschlägen handelt es sich einerseits um jenen der italienischen Finanzgruppe um Giacomo Servadio in Verbindung mit dem deutschen Haus der Gebrüder Sulzbach, andererseits um jene der deutschen Finanzgruppe um Adolph von Hansemann. Vgl. Emil Welti an Alfred Escher, 20. September 1871.