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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2539 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 153

Emil Welti an Alfred Escher, St. Moritz, Dienstag, 15. August 1871

Schlagwörter: Deutscher Bundesrat, Deutscher Reichstag, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gemeinderäte (allgemein), Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Verehrtester Herr

Erst heute erhalte ich einen Brief von Stadtammann Schmidlin1, der meine Anfrage auf Rigi-Scheideck erhielt, sich zuerst in Aarau erkundigte und darum so lange nicht geantwortet hat. Er hält dafür dass es möglich sei einen Theil der von Aarau beschlossenen «Sübbahn-Subvention» dem Gotthard zuzuwenden | und will die Angelegenheit Ende dieser Woche im Gemeinderath zur Sprache bringen. Nach meinem Dafürhalten wird er dort günstigen Boden finden und ich werde dann die Sache nächste Woche in Aarau noch selbst betreiben.2 Ich will Ende dieser Woche von hier abreisen, wo ich die ersten vierzehn Tage mehr krank als gesund verbracht habe. Die Cur regte mich sehr auf und benahm | mir lange Zeit allen Schlaf; jetzt geht es gut. Ich habe hier den Würtemberg. Minister von Scheurlen3 gesehen, der mir sagte es werde im September der Bundesrath sich mit der Gotthardsache beschäftigen und auch Würtemberg werde für die noch fehlende Subvention stimmen. Der Reichstag werde erst gegen Ende October zusammentreten. Über die W. Waldshuterfrage bin ich ohne alle Nachricht und | glaube darum schliessen zu dürfen dass sie sich in gutem Gang befinde.4

Beiliegend schicke ich Ihnen zur confidentiellen Kentnissnahme die mir von Hr Sulzer5 mitgetheilte Copie des [klein ?]'schen6 Gutachtens.7

Mit herzlichem Grusse und in bekannter Hochschätzung

E Welti

St. Moriz
15. Aug. 1871.

Kommentareinträge

1 Theodor Schmidlin (1810–1894), Stadtammann von Aarau.

2 Im Herbst 1871 lehnte der Gemeinderat von Aarau eine Gotthardsubvention ab, erklärte aber eine grundsätzliche Geneigtheit, «sofern die den aargauischen Bahnen und speziell der aargauischen Südbahn entgegenstehenden Schwierigkeiten durch Zusicherung einer angemessenen Partizipation am Gotthardverkehr beseitigt würden» . Gegen den hierin anklingenden, gegen sie gerichteten Vorwurf wehrten sich die Schweizerische Nordostbahn und die Schweizerische Centralbahn und äusserten die «Ansicht, daß in ihrem Verhalten gegenüber der aargauischen Südbahn ein Grund für die Subventionsablehnung Seitens des Gemeinderathes von Aarau nicht zu finden sei» . Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 26. September 1871, 17. Oktober 1871. Emil Welti an Alfred Escher, 14. Januar 1870.

3 Karl von Scheurlen (1824–1872), Innenminister des Königreichs Württemberg und Bevollmächtigter zum Bundesrat des Deutschen Reichs.

4Wegen der Frage der Linie WinterthurWaldshut kam es in den Jahren 1871/72 zur Konfrontation zwischen der Schweizerischen Nordostbahn und den Behörden der Stadt Winterthur. Die Angelegenheit war auch verschiedentlich Thema in der Korrespondenz Eschers mit Welti, da sich der Zurzacher Bundesrat in seiner Heimat zugunsten der Anliegen der Schweizerischen Nordostbahn einsetzen sollte. Vgl. Emil Welti an Alfred Escher, 2. Mai 1871; Emil Welti an Alfred Escher, 20. Juni 1871; Alfred Escher an Emil Welti, 31. August 1871; Alfred Escher an Emil Welti, 6. September 1871; Geschäftsbericht NOB 1871, S. 4–6; Geschäftsbericht NOB 1872, S. 4–5; Jung, Aufbruch, S. 502–505; Alfred Escher an Emil Welti, 18. September 1871 Emil Welti an Alfred Escher, 20. September 1871 Alfred Escher an Emil Welti, 22. September 1871.

5Gemeint ist möglicherweise Johann Jakob Sulzer.

6 Person nicht ermittelt.

7Beilage nicht ermittelt.