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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B2518 | CH-BAR#J1.165#1983/44#67*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 151

Alfred Escher an Karl Schenk, Zürich, Mittwoch, 17. Mai 1871

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn

Briefe

Zürich 17. Mai 1871.

Hochgeachteter Herr Bundespräsident!

Indem ich Ihnen Ihr verehrl. Telegramm1 von heute Morgen bestens verdanke, übermittle ich Ihnen in der Beilage einen mir so eben zugekommenen Brief. Gonzenbach's2 vom 14. dss. Mon. Der Inhalt desselben ist dazu angethan, die Richtigkeit der gestern getroffenen Verabredung & Ihrer heutigen Schlußnahme, an derselben auch nach Eingang der gestern Abend angekommenen Depesche3 Pioda's festzuhalten, darzuthun.4 Ich bitte um gef. Rücksendung des Briefes von G. nach gemachtem Gebrauche.

Annehmend, daß es Ihnen erwünscht sein dürfte, den Wortlaut der Erklärung zu besitzen, welche der Gotthardausschuß dem | Italienischen Ministerium durch Hrn. v. Gonzenbach in Sachen des Ankaufes der Maschinen u. s. f. für die Durchbohrung des Mont Cenis abgeben zu lassen beschlossen hat, beehre ich mich, Ihnen ebenfalls beiliegend eine Abschrift dieser Erklärung5 zukommen zu lassen.

Sollten Sie in der Gotthardangelegenheit bei entscheidenden Wendepuncten mit mir zu conferiren wünschen, so wollen Sie mich, so oft Sie es nothwendig finden, nach Bern berufen. Ich werde mich in den Stand zu setzen suchen, jederzeit & selbst von einer Stunde auf die andere einem solchen Rufe Folge zu leisten. Vom 26. Nachmittags an bis zum 30. dss. Mon. werde ich voraussichtlich von Zürich abwesend & deshalb nicht zu Ihrer Verfügung sein.

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr ergebene

Dr A Escher

Kommentareinträge

1Telegramm nicht ermittelt.

2 August von Gonzenbach (1808–1887), Grossrat und Nationalrat (BE), Verwaltungsrat der Chemins de fer du Jura bernois, Direktionspräsident der Berner Handelsbank; Gonzenbach lobbyierte im Auftrag der Gotthardvereinigung in Italien.

3 «Ein Telegramm des Hrn. Pioda vom 16. dieß fügt bei, daß die italienische Kammer die Alpenbahnfrage an die Hand nehmen werde in der Voraussezung der Annahme der zwei an uns gestellten Begehren; wenn nicht, werde die Kammer selbst sie in etwas modifizirter Form aussprechen.» Prot. BR, 17. Mai 1871.

4Escher und Schenk hatten am Vortag offensichtlich verabredet, dass Escher den in Florenz weilenden Gonzenbach anweisen sollte, auf weitere Unterhandlungen mit dem italienischen Ministerium zu verzichten, da Pioda entsprechende Instruktionen durch den Bundesrat erhalten werde. Escher teilte Gonzenbach diese Anweisung noch am selben Tag telegraphisch mit. Der Bundesrat beschloss die telegraphische Instruktion an Pioda am 17. Mai. Vgl. Alfred Escher an Karl Schenk, 16. Mai 1871; Prot. BR, 17. Mai 1871.

5Beilage nicht überliefert. – Die Erklärung ist im Protokoll des Ausschusses der Gotthardvereinigung im Wortlaut wiedergegeben. Vgl. Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 27. April 1871.