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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2483 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Montag, 20. Juni 1870

Schlagwörter: Staatsverträge, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr

Der beifolgende Brief des Herrn Pioda sowie eine Depesche von H. Gonzenbach von gestern des Inhaltes: Veuillez sollicitez Berlin declaration précise contre ajournement seul moyen de reussir si possible, haben mich über zeugt, dass es für unsere Sache von Vortheil wäre wenn Bertami u Genossen auf weitere Interpellationen verzichten würden. Ich werde mich aber von hier aus aller Schritte enthalten, indem ich voraussetze, dass Sie weitere und einlässlichere Berichte zu Ihrer Disposition haben um eine Meinung in Florenz zur Geltung bringen zu können. Von Preussen ist eine Declaration in obigem Sinne nicht zu erwarten, nachdem es offiziell in Florenz erklärt hat die Verschiebungsfrage sei Sache der dortigen Regierung. |

Heute hat Melegari ein Telegramm von Visconti-Venosta erhalten worin dieser anzeigt Launay sei zum Abschluss des Beitrittsvertrages ermächtigt «sous la condition toutefois que le gouvernement sans lieu garantisse les subventions des chemins de fer». Was das heissen soll ist nicht recht klar.

Hammer berichtet Delbrück wolle den Vorbehalt der Zustimmung der Bahn-Generalversammlungen nicht aus dem Vertrag beseitigen, dagegen wegen der von NDeutschland zu machenden «efforts» auf unsern Wunsch eingehen in der Meinung dass der Hauptaccent auf Deutschland gelegt werde.

Grammont war wie Herr Kern schreibt durch die Erklärungen des letztern sehr befrie| digt und sagte ihm geradezu que la France n'avait aucune raison pour intervenir dans cette affaire. In dem Sinne werde auch seine heutige Antwort lauten.

Das ists was ich Ihnen an heutigen Nachrichten mitzutheilen habe. Diesen Augenblick tagen noch die ost u westschweiz. Regierungsdelegirten, welche von Waadt einberufen worden sind. Sie haben wohl die Güte mir über das Resultat der gestrigen Zürcherversammlung in Ihrem nächsten Briefe einige Notizen zugehen zu lassen.

Mit freundschaftlicher Hochachtung

Ihr

E Welti

Bern
20. Juni 1870.