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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2470 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Dienstag, 7. Juni 1870

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Zürich 7 Juni 1870.
Abends spät.

Hochgeachteter Herr!

In der Beantwortung Ihres verehrl. Schreibens vom 6 dss. Mon. fortfahrend bin ich Ihnen Aufschluß über den Sinn der auf den Rückkauf der N.O.B. bezüglichen Bedingung unserer Gotthardsubvention schuldig. Dabei schließe ich mich an die Zahlen an, deren Sie sich bedient haben. Die Durchschnittsjahre für die Berechnung der Kaufsumme, welche der N.O.B. im Falle des Rückkaufes auf den ersten Termin zu bezalen ist, sind 1873–1883. Die Eröffnung der Gotthardbahn wird als im Jahre 1880 eintretend supponirt. I.) Von der Summe, auf welche sich der Reinertrag der N.O.B. in den Jahren 1873 bis 1883 beläuft, wird die Netto-Mehreinnahme abgezogen, welche die N.O.B. in den Jahren 1880 bis 1883 in Folge der Eröffnung der Gotthardbahn gemacht hat. Ich sage: Netto-Mehr| einnahme: denn es darf nicht übersehen werden, daß, wenn die N.O.B. in Folge der Eröffnung der Gotthardbahn Verkehr gewinnt, sie hinwieder auch dadurch, daß Verkehr, den sie bisanhin auf längern Linien hatte, auf kürzere übergeht oder daß Verkehr, der sich bis anhin auf den Linien der eigentlichen N.O.B. bewegte, Linien zufällt, bei denen die N.O.B. nur zu einer Quote betheiligt ist, an Einnahmen einbüßt. II.) Der in solcher Weise reduzirte, bez.weise von jeglichem Einflusse in Folge der Eröffnung der Gotthard bahn entledigte Reinertrag der N.O.B. während des Zeitraumes von 1873 bis 1883 wird der Berechnung der Rückkaufssumme, welche der N.O.B. zu bezalen ist, zu Grunde gelegt. Neben dieser Rückkaufssumme ist der N.O.B.gesellschaft die von ihr geleistete Subventionssumme von 3½ Mill. Franken zurückzuerstatten. Sollte man etwa einwenden wollen, daß die N.O.B. in den Jahren 1883 bis 1888 die Früchte des Gotthard genieße, so wäre dagegen daran zu erinnern,| daß sie die Zinsen der von ihr geleisteten Subvention während der Jahre 1871 bis 1880 & auch während der Jahre 1880 bis 1888 ebenfalls in Anschlag zu bringen hat & daß diese Zinsen jene Früchte bedeutend übersteigen werden.

Es will mir scheinen, die Frage sei eigentlich ziemlich einfach, & es dürfte um so weniger Grund zu der Befürchtung, daß der Bund zu kurz kommen könnte, vorhanden sein, als die Bahngesellschaften ja auch ihre Actienübernahme für den Fall des Bundesrückkaufes auf den ersten Termin zur Sprache bringen & in dieser Richtung sichernde Cautelen verlangen könnten. Selbstverständlich wird übrigens die N.O.B., falls eine Conferenz zu weiterer Erörterung der auf die Eventualität des Rückkaufes unsers Bahnnetzes bezüglichen Bedingung unserer Gotthardsubvention einberufen wird, dieselbe beschicken. Nur möchte ich bitten, mir, bevor die Tagfahrt für die Conferenz anberaumt wird, von dem Tage, auf| welchen die Einberufung beabsichtigt wird, Kenntniß geben zu wollen, damit es mir, in Anspruch genommen, wie ich es gegenwärtig bin, möglich sei, eine Abänderung der in Aussicht genommenen Tagfahrt in Antrag bringen zu können.

Ihre interessanten Mittheilungen über die Dispositionen Delbrück's verdanke ich Ihnen bestens. Wenn nur der Norddeutsche Bund auch hinsichtlich der Completirung der deutschen Subvention Werth darauf legt, zu beweisen, daß er etwas vermag!

Ich habe heute Abend das telegraphische Monitorium an Sybel erlassen, da ich fortwährend ohne Antwort auf meinen Ihnen bekannten Brief vom 1. dss. Mon. bin!

Neuerdings habe ich mich unerquicklicher Zumuthungen Stamm's zu erwehren. Hierüber vielleicht bald ein mehreres. Trotz allem & allem halte ich übrigens fortwährend dafür, daß wir diesen – Moor nöthig haben!

Ganz Ihr

Dr A Escher

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