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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2442 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 133

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Sonntag, 15. Mai 1870

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr!

In größter Eile finde ich vor Abgang der Post nur Zeit, Ihnen den beiliegenden, diesen Morgen mir zugekommenen & bereits von mir beantworteten Brief1 Gonzenbach's2 zu übermitteln & Ihnen sodann unter bester Verdankung Ihres gestrigen verehrl. Schreibens zu erwiedern, daß gerade durch die von Tessin nach meiner Redaction aufgestellte Bedingung für seine Subvention es die Conzessionirung der Cittiglio Linie indirect zugesagt hat.3

Die Vorgänge in Berlin müssen zur Stunde noch für uns Alle ein Räthsel sein. Vielleicht enthüllt sich bald ein häßlicher| Hintergrund desselben!

Der Ausschuß des Consortium's hat letzten Donnerstag meinen Statutenentwurf behandelt. Die bekannten Herren von Basel4 haben mich während der ganzen Sitzung chicanirt: formulirte Gegenanträge zu stellen, war ihnen aber – zu unbequem! Eine fruchtbare Thätigkeit bei den gegenwärtigen Gotthardzeitläuften!

In freundschaftlicher Hochachtung

Ihr

Dr A Escher

Zürich
15 Mai 70.

Kommentareinträge

1Brief nicht ermittelt.

2 August von Gonzenbach (1808–1887), Grossrat und Nationalrat (BE), Direktionspräsident der Berner Handelsbank; Gonzenbach lobbyierte im Auftrag der Gotthardvereinigung in Italien.

3Das im Staatsvertrag von 1869 festgehaltene Liniennetz sah eine Verbindung vor, die von Bellinzona über Magadino zur schweizerischen Grenze bei Pino am Lago Maggiore führte, mit einer Zweigbahn nach Locarno. Der Beschluss des Tessiner Grossen Rates vom 2. Mai 1870, mit welchem der Kanton dem Gotthardunternehmen eine Subvention von 3 Mio. Franken zusicherte, nahm ausdrücklich Bezug auf den Bau aller durch den Staatsvertrag vereinbarten Linien.Vgl. Staatsvertrag Gotthardbahn 1869, Art. 3, 4; Processi verbali del Gran Consiglio, 2. Mai 1870 (S. 167–168).

4Zu den statutarischen Aufgaben des Konsortiums gehörte die Aufstellung von Statuten für die Aktiengesellschaft der Gotthardbahn. Neben Escher als Präsident des Konsortiums wurden am 6. September 1869 Josef Zingg, Heinrich Peter Rieter sowie die Basler Alphons Koechlin-Geigy (Verwaltungsrat der Schweizerischen Centralbahn) und Wilhelm Schmidlin (Direktionsmitglied der Schweizerischen Centralbahn) zu Mitgliedern des Ausschusses gewählt. Vgl. Prot. Consortium Gründung Gotthardbahn, 6. September 1869 (S. 20–21); Statuten Consortium, Art. 3, 6.