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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2438 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 12. Mai 1870

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Es hat sich herausgestellt dass in den letzten drei Tagen von Stamm keine Depesche nach Paris oder sonst irgendwohin abgegangen ist. Ob diess von Basel aus geschah wird noch ermittelt; das Resultat theile ich Ihnen mit.

Sie werden nun den preuss. Zeitungen entnommen haben dass die Gesammtsubvention von Norddeutschland incl. Preussen und seine Bahnen nicht mehr als 12 Millionen betragen wird und die bekannte Gefahr steht nun in voller Grösse vor uns.|

Ich befürchte dabei namentlich auch das, dass die Nordd. Regierung sich darauf verlässt es werde im allerschlimmsten Fall, wenn von Süddeutschland nichts zu bekommen ist, die Schweiz für den Rest eintreten, eher als dass sie den Vertrag hinfällig werden lasse.

Was man vielleicht vor acht Tagen in Berlin noch hätte erreichen können ist jetzt durch die förmliche Vorlage an den Bundesrath sehr erschwert und alles was möglich ist wird sich darauf beschränken Preussen zu einer energischen Intervention in den Süddeutschen Staaten zu | veranlassen. Sobald Herr Dubs zurück ist werde ich die Frage wieder anregen ob diess nicht durch persönliche Abordnung zu geschehen habe.

Eben kommt der Bericht, dass auch von Basel in den letzten drei Tagen eine Depesche von St. nicht verschickt worden sei.

Herr Hammer telegraphirt diesen Augenblick dass die Vorlage an den Bundesrath morgen erfolge.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebenster

E Welti

Bern
den 12. Mai 1870.