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Korrespondenz: Alfred Escher – August von Beckh

AES B2430 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#186* (Abzug)

Alfred Escher an August von Beckh, Zürich, Freitag, 29. April 1870

Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Zürich 29 April 1870.

Hochgeachteter Herr!

Der Inhalt Ihrer verehrl. Zuschrift vom 24. dss. Mon. hat mich mit mit tiefem Bedauern erfüllt & Sie wollen es dem warmen Wunsche, den ich hege, die so wichtige Bötzbergbahn durch Sie ausgeführt zu sehen, zuschreiben, wenn ich die Hoffnung noch nicht aufzugeben vermag, daß dieser Wunsch vielleicht doch in Erfüllung gehe. Was wenigstens Ihr vorgerückteres Alter anbetrifft, von welchem Sie befürchten, daß es Sie verhindern möchte, den Erwartungen ganz zu entsprechen, die in Sie gesetzt werden, so vermag ich diese Befürchtung durchaus nicht zu theilen, da ich Ihre geistige Rüstig| keit & zähe Arbeitskraft viel zu oft & viel zu lange kennen zu lernen die Gelegenheit hatte, als daß ich einer solchen Besorgniß Raum geben könnte. Anders würde es sich allerdings verhalten, wenn Rücksichten auf Ihre verehrte Familie es Ihnen unmöglich machen würden, Ihren gegenwärtigen Wohnsitz mit demjenigen in Zürich zu vertauschen. Hiegegen Einwendung zu erheben, würde mir nicht zustehen, da es sich um Verhältnisse handelt, welche zu discutiren ich mich nicht in der Stellung befinde. Da Sie indessen, hochverehrter Herr! sich nicht dahin aussprechen, daß die Nothwendigkeit der Veränderung Ihres Wohnsitzes Ihnen die Annahme meines Vorschlages unmöglich machen, sondern nur, daß sie Ihnen auf meinen Antrag einzugehen erschwere, | so kann ich mich nicht enthalten, auch diesem Ablehnungsgrunde gegenüber einen Schimmer von Hoffnung, daß Sie sich vielleicht doch entschließen dürften, wieder mein Mitarbeiter zu werden, aufrecht zu erhalten. Ich bemerke übrigens, daß nach der Natur der Baute, um die es sich handelt, & namentlich, wenn etwa als Sectionsingenieur für den Bötzbergtunnel Hr. Kaufmann, der Ihnen von der Hauensteintunnelbaute her bekannt sein dürfte, gewonnen werden könnte, Ihr beständiger Aufenthalt in Zürich kaum als ein Resultat unabweisbarer Nothwendigkeit anzusehen sein dürfte, sondern daß sich vielmehr Einrichtungen der einen oder der andern Art denken ließen, welche es Ihnen vielleicht möglich machen würden, unsern Wünschen ganz | oder der Hauptsache nach zu entsprechen, ohne deshalb Ihren bleibenden Wohnsitz für volle 5 Jahre (die in Aussicht genommene Bauzeit der Bötzbergbahn) nach Zürich verlegen zu müssen. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß ich zudringlich sein oder der Freiheit Ihrer Entschließung Gewalt anthun zu wollen, weit entfernt bin. Vielleicht veranlaßt Sie aber der Inhalt dieses Schreibens, meinen Antrag neuerdings in Erwägung zu ziehen & mich mit einer neuen sachbezüglichen Mittheilung zu beehren. In Gewärtigung derselben & die leise Hoffnung nährend, daß Sie sich vielleicht doch noch entschließen können, die Leitung des Baues der Bötzbergbahn zu übernehmen, unterlasse ich es geflissentlich, den jüngern Männern nachzufragen, welche sie für geeignet & geneigt halten, die fragliche Aufgabe zu übernehmen.

In ausgezeichneter Hochachtung Ihr

Dr A Escher

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz unten rechts auf Seite 4 von dritter Hand mit Bleistift: «Obering. Pressel» .