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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2418 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Montag, 21. März 1870

Schlagwörter: Bundesrat, Deutscher Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Von Herrn Hammer geht dem politischen Departement heute ein überaus bedenklicher Bericht zu. Derselbe hatte am 18. d. M. eine Audienz bei Bismark dem er die Note des Bundesrathes überreichte, worin NDeutschland zu einem beförderlichen Vorgehen mit Rücksicht auf den bald ablaufenden Termin eingeladen wird. Bismark antwortete: «er habe von der Resolutivbedingung keine Kenntniss gehabt. Baden habe trotz Gegenvorstellungen von Seite des Norddeutschen Bundes für gut gefunden einseitig vorzugehen. Würtemberg entziehe sich in dieser Angelegenheit | beharrlich aller Einwirkung. Was die Vorlage an den Bundesrath anbetreffe so möge sich Herr Hammer über das ob, wann u was u. s. w. an Herrn Delbrück wenden; er selbst (Bismark) sei in diesem Detail nicht bewandert.

Rothschild sei sehr gegen den Gotthard; Frankreich würde wohl schwerlich für eine Bahnunternehmung welche durch zwei Länder von dem seinigen getrennt wäre eine Subvention bezahlen».

Das sind alle thatsächlichen Momente des Briefes des Herrn Hammer aus denen er nun wörtlich folgenden Schluss | zieht: «Kurz mein Eindruck ist nicht zweifelhaft und leider kann es der Ihrige auch nicht sein. Preussen zieht sich zurück».

Ich kann über die Richtigkeit dieses Eindrucks nicht urtheilen; aber jedenfalls ergiebt sich die Anschauung des Herrn Hammer nicht aus den Mittheilungen die er uns über die Unterredung mit Bismark macht.

Herrn von Röder werde ich sofort confidentiell ebenfalls benachrichtigen.

Mit voller Hochachtung

Ihr ergebenster

E Welti

Bern den 21. März 1870.

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