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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2411 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Sonntag, 13. März 1870

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Ich habe die Consequenzen des neuen Finanzplanes überlegt und bin dabei zu folgenden Erwägungen gekommen:

Durch das Specialprotocoll vom 13. Oct. wurde das Stimmrecht der Cantone im Maximum auf ein Sechstheil der sämmtlichen resp. der in einer Generalversammlung vertretenen Stimmen festgesetzt. Dabei gieng man von der Annahme aus dass das Actiencapital 50 Millionen und die Subventionen der Cantone etwa 10–13 Millionen betragen werden. Das Stimmrecht entsprach also ziemlich | genau dem Verhältniss zwischen dem Actiencapital u den cantonalen Subventionen. Nach dem neuen Finanzplan würde diess nun nicht mehr der Fall sein aber immerhin hätten die Cantone den Sechstheil der Stimmen. Dagegen würde sich ein ganz anderes Stimmenverhältniss zwischen den Bahnen u den Cantonen herausstellen. Während nach dem bisherigen Plan beide Theile im Verhältniss ihrer Betheiligung vertreten gewesen wären, würde sich nun, wenn die Bahnen 10 Millionen Actien übernehmen die Sache so machen: In der Generalversammlung wären vertreten 25 Millio| nen Actien und 13 Millionen cantonale Subventionen, zusammen 38 Millionen. Die Cantone hätten im Maximum ⅙ der Stimmen und die Bahnen annähernd 2/7 d. h. es würde das frühere Verhältniss auf 12:7 oder beinahe um die Hälfte herabgesetzt.

Es ist nun allerdings richtig dass das Protocoll einfach den Cantonen ⅙ der Stimmen einräumt und auf keinen bestimmten Finanzplan abstellt, aber ebenso richtig ist es, dass thatsächlich der früher angenommene Plan zu Grunde gelegt und dadurch implicite auch das Stimmrecht der Cantone im Verhältniss zu | demjenigen der Bahnen normirt wurde und es besteht für mich kein Zweifel dass eine Änderung dieses Verhältniss von den Cantonen übel aufgenommen und auch den Bundesrath in eine fatale Lage bringen würde. Ich halte aber dafür dass eine Correction sich leicht sollte bewerkstelligen lassen und zwar in der Weise dass das Stimmrechts-Maximum der Cantone von ⅙ etwa auf ⅕ erhöht wird; das frühere Verhältniss wäre zwar damit noch nicht hergestellt aber doch die Consequenzen des neuen Finanzplanes dahin gemildert, dass sich die Stimmen der Bahnen zu denen der Cantone nun wie 10:7 verhalten würden, womit sich | wie mir scheint beide Theile sollten zufrieden geben können. Allerdings wäre zu einer solchen Modification die Zustimmung der betheiligten Regierungen nothwendig, die aber bei der veränderten Grundlage wohl nicht ausbleiben würde.

Was nun das Verhältniss des neuen Finanzplanes zu dem Unternehmen selbst anbelangt, so kann ich nach meiner, in solchen Dingen allerdings sehr unzureichenden Auffassung nur wiederholen was ich Ihnen schon heute mitgetheilt habe. Für den Bund kann es ganz gleichgültig sein, ob die 50 Millionen durch Ausgabe von Actien oder Obligationen gesichert seien. Beide haben | an der Durchführung des Werkes das gleiche Interesse.

Ich schliesse mit Cicero: cura ut valeas, si nos vis valere.

E Welti

Bern
den 13. März 1870.

Wenn Sie es für nützlich halten mich zu dem Ausschuss des Consortiums beizuziehen (oder zum Gotthardausschuss?) so gewärtige ich Ihre Weisung.

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