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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2409 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 3. März 1870

Schlagwörter: Deutscher Reichstag, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Im Anschluss schicke ich Ihnen dankend das Schreiben an Herrn Correnti zurück. Ich hatte dasselbe Herrn Melegari zur Einsicht mitgetheilt, der wie ich aus der Inscription in der Ecke schliesse glaubte es behalten zu dürfen. Ich bitte daher sehr um Entschuldigung.

Gestern habe ich noch Herrn Hammer geschrieben und ihm gesagt, es sei meiner Ansicht nach noch ein Ausweg offen, insofern die Beschlüsse des Reichtstages u namentlich des preussischen Landtages | sowie die der süddeutschen Staaten nicht mehr rechtzeitig zu Stande kämen. In diesem Falle würde es vollständig genügen wenn die Regierungen der betr. Staaten unter Ratificationsvorbehalt dem schweiz-ital. Vertrage beiträten; die Suspensivbedingung des letztern wäre damit erfüllt. Von diesem Mittel sollte man aber nur im äussersten Falle Gebrauch machen, der eher wohl leider eintreten wird.

Letzter Tage war in Fischerei-Angelegenheiten Geheimrath Diez aus Carlsruhe hier. Er sagte mir in Baden werde der Landtag am 20 April geschlossen und | man besorge daher sehr die Gotthardfrage nicht mehr behandeln zu können. Das Ministerium hätte sich daher letzter Tage nach Berlin gewandt um dort Beförderung zu empfehlen. Über die weitern Absichten Badens betr. die Subventionssumme etc. erklärte er nichts zu wissen.

Von Italien sind wir bis zur Stunde ohne alle Nachricht.

Ihr hochachtungsvoll ergebenster

E Welti

Bern
3. März 1870.