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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2391 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 123

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Freitag, 28. Januar 1870

Schlagwörter: Eidgenössische Bank, Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein), Splügenbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Ich befreue mich, Ihnen in Beilage die Abschrift eines Briefes1 v. Sybel's2 übermitteln zu können, aus welchem hervorzugehen scheint, daß die Angelegenheit der Bildung der Gesellschaft eine bessere Wendung nehmen dürfte.3

In Zürich wird nach Kräften für den Splügen gewühlt & zwar genau nach der Melodie, welche in zwei gegen mich gerichteten Artikeln des «freien Rhätier's»4, in welchen ich unter anderm auch als von Ihnen düpirt dargestellt5 | werde, angestimmt worden ist.

Haben Sie das letzte Cursblatt der Eidgenössischen Bank (im gestrigen «Bund» abgedruckt)6 gelesen, in welchem Hr. Stämpfli in perfidester Weise die Maaßregeln der Gotthardconferenz vom 24/25 dss. Mon. zum Behufe der Beschaffung der noch fehlenden Fr. 950,000, sowie die Herbeiziehung der Aargauischen Eisenbahnen zur Übernahme der von den Bahnen zu leistenden Subventionen7 zu vereiteln sucht? Welche fruchtbringende & edle Wirksamkeit!

In freundschaftlicher Hochachtung

Ihr

Dr A Escher

Zürich
28 Januar 1870.

Kommentareinträge

1 Vgl. Alexander von Sybel an Alfred Escher, 26. Januar 1870.

2 Alexander von Sybel (1823–1902), Mitglied des preussischen Abgeordnetenhauses und des Reichstags des Norddeutschen Bundes.

3 Sybel kündigte an, dass Berliner Bankiers Vorschläge zuhanden des Ausschusses der Gotthardvereinigung ausarbeiten würden, wie sie den Finanzplan für die Bildung einer Gesellschaft für den Bau der Gotthardbahn gestalten wollten. Vgl. Alexander von Sybel an Alfred Escher, 26. Januar 1870; Die Gotthardvereinigung, Absatz 45.

4Die NZZ brachte die Artikel des «Freien Rhätiers» auf den Punkt, es werde darin «die Gotthardbahn als ein Escher'sches Unternehmen, die Bekämpfung derselben als ein Kampf gegen das ‹System›, die Splügenbahn als das Projekt der Demokraten hingestellt und dem Kanton Zürich nur die Alternative gelassen, entweder durch seinen Entscheid für den Gotthard die Sache des Volkes preiszugeben oder mit dem Splügen sich die Führerschaft einer ‹demokratischen Armee› zu sichern» . NZZ, 1. Februar 1870. Vgl. Der freie Rhätier, 23. Januar 1870, 25. Januar 1870; NZZ, 2. Februar 1870, 3. Februar 1870, 10. Februar 1870.

5Der «Freie Rhätier» befand, es sei «die Escher'sche Politik im Augenblicke des vermeintlichen Erfolges von der Welti'schen überholt, in den Schatten gestellt, um den Preis des Sieges gebracht und zur zweiten Geige herabgesetzt» . Der freie Rhätier, 25. Januar 1870.

6 Vgl. Der Bund, 27. Januar 1870.

7Auf der Grundlage von Vorschlägen, welche Vertreter der Schweizerischen Nordostbahn und der Schweizerischen Centralbahn dem Bundesrat vorgelegt hatten, verhandelte Bundesrat Karl Schenk am 25. Januar in Bern mit einer Delegation der Konzessionäre aargauischer Bahnen über eine allfällige Beteiligung dieser Konzessionsinhaber an der Gotthardsubvention. Vgl. Schreiben Dir. NOB / Dir. SCB an Karl Schenk, 8. Februar 1870 (StAAG R04.B03c/0079); Prot. BR, 20. Januar 1870; Emil Welti an Alfred Escher, 14. Januar 1870.

Kontexte