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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2390 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 122

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 20. Januar 1870

Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Deutscher Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Splügenbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Es ist Ihre Vermuthung dass für den Splügen die letzte Anstrengung gemacht wird ohne allen Zweifel richtig. Röder sagt mir dass gleichzeitig mit ihm ein Agent aus der Ostschweiz in Berlin gewesen sei und bei einigen Ministern wie z. B. bei Roon1 Zutritt gefunden habe. Leider hat er sich nicht um seinen Namen erkundigt.2 Überhaupt| macht mir die Relation des Herrn von Röder den Eindruck als habe er sich nur beiläufig und etwas cavalièrement mit der Sache beschäftigt. Anderseits schliesse ich auch aus seinen durchaus günstigen Berichten über die Äusserungen einzelner Personen, dass im Grunde nur sehr wenige Leute in Berlin ein Verständniss und ein Interesse für die Sache besitzen. Unter solchen Verhältnissen habe ich an Hammer3 in sehr eindringlicher Weise geschrieben u ihm vorgestellt, dass nur ein| baldiges u rasches Handeln von Seite des Nordd. Bundes uns aus der momentan wieder sehr fatalen Lage bringen könne. Ich habe ihn gebeten mit allen Mitteln vorerst darauf zu dringen dass ihm offiziell zu unsern Handen erklärt werde, es sei das Bundeskanzleramt entschlossen zu Gunsten des Gotthard eine Vorlage an den Bundesrath zu machen.

Über den Bözberg weiss ich nichts; ich werde aber heute noch mich erkundigen u Ihnen die Antwort zukommen lassen. Ich halte nichts gar nichts vor Ihnen verborgen.| Über die aarg. Subsidienangelegenheit habe ich seit Ihrer letzten Anwesenheit ebenfalls nichts erfahren und möchte darüber mir Ihren Rath erbitten, was in einem folgenden Brief geschehen soll.4

Mit Hochschätzung

Ihr ergebenster

E Welti

Bern
20 Jan. 1870.

Kommentareinträge

1 Albrecht von Roon (1803–1879), Kriegs- und Marineminister des Königreichs Preussen.

2Es handelte sich dabei wohl um den Churer Anwalt Carl Hilty (1833–1909), der auch mit Theodor Weishaupt zusammentraf. Arnold Otto Aepli, Mitglied des Splügenkomitees, schrieb am 5. Januar an den Fürsten von Hohenzollern: «Ein Dr. jur. Hilty aus Chur, der kürzlich von Herrn Wirth-Sand nach Berlin gesandt wurde und unter anderm auch den Herrn Geheimrath Weishaupt gesehen hat, brachte überdies keine tröstlichen Nachrichten zurück. Das Beste, was er auszurichten vermochte, bestand wohl darin, dass er mit einem oder zwei Journalen Verbindungen angeknüpft und sie zur Aufnahme von Splügenartikeln bewogen hat. Damit wird aber wohl jetzt auch nicht viel ausgerichtet werden können.» Brief Arnold Otto Aepli an Karl Anton von Hohenzollern, 5. Januar 1870, in: Dierauer, Korrespondenz, S. 65–67.

3 Bernhard Hammer (1822–1907), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin.

4Ein bezüglicher Brief Eschers konnte nicht ermittelt werden. – Escher geht in seinem Brief an Welti vom 28. Januar 1870 nicht auf die Angelegenheit ein. Welti selbst erwähnt jedoch die Subsidienfrage im Brief an Escher vom 2. Februar. Alfred Escher an Emil Welti, 28. Januar 1870; Emil Welti an Alfred Escher, 2. Februar 1870.