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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2384 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 119 | Jung, Aufbruch, S. 404 (auszugsweise)

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Samstag, 8. Januar [ 1870 ]

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat BE, Regierungsrat BE, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hoch geehrter Herr

Nach vielfachen Verhandlungen mit Mitgliedern der hiesigen Regierung1 ist die Sache endlich dahin gediehen, dass dieselben sich entschlossen und versprochen haben eine Million Franken als Subvention an den Gotthard bedingungslos zu beantragen. Immerhin sollen die Bemühungen gegenüber Luzern fortgesetzt werden indem man von einer Förderung dieser Angelegenheit einen günstigen Einfluss auf die Subventionsfrage erwartet.| Um nicht neuen Enttäuschungen entgegenzugehen suchte ich heute Herrn Stämpfli auf der mir die bestimmte Erklärung abgab, dass auch er mit dem Vorgehen der Regierung einverstanden sei und wohl einsehe dass Bern nicht zurückbleiben könne. Zu einer positiven und activen Unterstützung wollte er sich zwar nicht verstehen, dagegen versprach er, nicht das mindeste Hinderniss entgegenzusetzen und auch dafür zu stimmen. Wenn es nun | hiebei bleibt so wäre die Sache wieder um einen Schritt gefördert. Ich will nun Herrn Weber noch zu bestimmen suchen, dass die Regierung oder der grosse Rath sich bald möglichst u vorläufig wenigstens so weit sich offiziel ausspricht, dass wir daran Veranlassung nehmen können auch Bern zu der gestern vom Bundesrath beschlossenen Conferenz2 auf den 24. d. Mts einzuladen. Der Ihnen eingeschickte Verpflichtungs-Entwurf3 ist angenommen worden, nach einer längern Discussion in welcher der Antrag gestellt | worden war es solle für den Gesamtbetrag der schweiz. Subsidien eine solidarische Verbindlichkeit aller Cantone u Gesellschaften verlangt werden. Ich weiss nicht in wie weit Herr Challet4 der diesen Antrag stellte von aussen dazu inspirirt worden ist. Im Rathe blieb er mit seiner Stimme allein.

Von Berlin ist noch kein Bericht da.

Mit bekannter Hochschätzung

Ihr ganz ergebenster

E Welti

Bern
8. Jan. 1869.5

Kommentareinträge

1Gemeint ist die Regierung des Kantons Bern.

2Gemeint ist die Subventionskonferenz der Kantone und Gesellschaften vom 24. und 25. Januar 1870 in Bern. Am 7. Januar hiess der Bundesrat den Entwurf des Einladungsschreibens gut, welches an die Regierungen der Kantone Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Zug, Solothurn, Basel-Stadt, Aargau und Tessin sowie an die Direktionen der Schweizerischen Nordostbahn und der Schweizerischen Centralbahn gerichtet war. Vgl. Prot. BR, 7. Januar 1870; NZZ, 8. Januar 1870; Die Gotthardvereinigung, Absatz 29.

3Gemeint ist ein Entwurf für die Verpflichtungsscheine der subventionierenden Kantone und Bahngesellschaften. Der Verpflichtungsschein wurde an der Konferenz vom 24. und 25. Januar überarbeitet. Vgl. Emil Welti an Alfred Escher, 5. Januar 1870; Die Gotthardvereinigung, Absatz 29.

4 Jean-Jacques Challet-Venel (1811–1893), Bundesrat (GE).

5Der Brief wurde von Welti falsch datiert. Aufgrund des Briefkontexts wurde 1870 als korrektes Jahr erschlossen.

Kontexte