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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2369 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 117

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Samstag, 30. Oktober 1869

Schlagwörter: Deutscher Bundesrat, Deutscher Reichstag, Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Herr Hammer1 schreibt mir so eben er habe sich «bei massgebender Stelle» über die Zeitungsnachricht erkundigt, wonach die preuss. Regierung dem Reichstag eine Betheiligung von 15 Mill. Franken bei dem Gotthardunternehmen vorschlagen werde.2 Über die ihm gewordene Antwort berichtet er wörtlich: «Man ist hier mit den Resultaten der Conferenzen im wesentlichen einverstanden und ist daher, wenn auch einzelnes an den Resultaten bemängelt wird, [e?]in Vorgehen der nordd. Bundesregierung auf der gewonnenen Basis in | Aussicht zu nehmen.

Bevor die Bundesregierung jedoch einen Antrag auf Gewährung einer Subvention an den Bundesrath u Reichstag einbringen wird, sollen die meistinteressirten Eisenbahngesellschaften in Norddeutschland zur Übernahme verhältnissmässiger Subventionsraten im Wege der Unterhandlung herbeigezogen werden.3 Zum Behufe dieser Unterhandlungen und zur Vorbereitung der öffentlichen Meinung in und ausserhalb der Behörden wird ein Memorial die Gotthardfrage betreffend amtlich ausgearbeitet und durch den Druck ver| öffentlicht werden.»4

So Herr Hammer. Es wird sich nun nur fragen ob die Regierung den gesammten Antheil von Norddeutschland durch die Eisenbahnen wird decken wollen oder nur einen Theil. Im ersteren Fall stünde die Sache nach meiner Ansicht nicht gut. Unter allen Umständen wird bei diesem Vorgehen an eine Betheiligung der norddeutschen Bahnen bei dem Actiencapital nicht mehr viel Aussicht auf Erfolg haben.

Mit bekannten Gesinnungen

Ihr ergbnster

E Welti

Bern
30. Oct. 1869.

Kommentareinträge

1 Bernhard Hammer (1822–1907), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin.

2Ein Artikel der «Kölner Zeitung» stellte klar, dass die Meldungen, wonach dem Reichstag ein Gesetzesentwurf für eine Subvention von 15 Mio. Franken vorgelegt werde, verfrüht gewesen seien.Vgl. NZZ, 5. November 1869.

3Die Mitte 1870 zugesagte Subvention des Norddeutschen Bundes beinhaltete Beiträge verschiedener Bahngesellschaften. Auch in der Schweiz und in Italien trugen die von der Verbindung profitierenden Bahnen an die Subvention bei. Emil Welti an Alfred Escher, 14. Mai 1870; Die Gotthardvereinigung, Absatz 33.

4Gemeint ist wohl die Denkschrift, welche der Präsident des Bundeskanzleramts, Rudolph von Delbrück, am 16. Mai 1870 dem Reichstag des Norddeutschen Bundes zur Erläuterung der Gotthardfrage vorlegte. Diese war Anfang Januar 1870 vollendet worden. Vgl. Sten. Bericht Reichstag Norddeutscher Bund, Anlagen 1870, Aktenstück 172 (S. 683–704); NZZ, 5. Januar 1870; Die Gotthardvereinigung, Absatz 33.