Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2315 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 100

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Donnerstag, 15. April 1869

Schlagwörter: Lukmanierbahnprojekt, Rothschild (Bankhaus), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Bundespräsident!

Ich werde von Paris berichtet, daß man dort den Gotthard bereits als einen überwundenen Standpunct betrachte (!) & daß die Subscription auf das Lucmanierunternehmen demnächst unter den günstigsten Auspizien werde eröffnet werden.1 Der Plan ist offenbar, die Subsidien der Italien. Städte & Provinzen dem Lucmanier zuzuwenden, zu welchem Ende bereits Emissäre nach Mailand, Genua u. s. f. geschickt seien. Ohne Zweifel vertraut man auch auf den mächtigen Einfluß des Hauses Rothschild2 in Italien. Bit| te Sie unmittelbar vor Abgang der Post, mit Melegari3 Rücksprache nehmen zu wollen, ob er im Hinblicke auf diese Vorgänge irgend welche Vorkehrungen angezeigt findet.

Besten Dank für Ihren gestrigen interessanten Brief. Ich werde heute noch 6 Exemplare des Gutachtens4 an Sie abgehen lassen. Wünschen Sie mehr, so befehlen Sie.

Hochachtungsvoll

Ihr

Dr A Escher

Zürich
15/4/69.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben links auf Seite 1 von dritter Hand: «15. 4. 69» .

1Am 10. Mai 1869 informiert Escher Welti über den Abschluss einer grossen Lukmanierkombination in Paris. Alfred Escher an Emil Welti, 10. Mai 1869.

2Das Bankhaus Rothschild hielt beträchtliche finanzielle Interessen an den Vereinigten Schweizerbahnen, in deren Führungsgremien massgebliche Verfechter der Ostalpenbahn sassen. Ebenso gehörten ihm zum grossen Teil die Strade Ferrate dell'Alta Italia, die eine beträchtliche Summe an die italienische Alpenbahnsubvention beitragen sollten. Vgl. NZZ, 23. Februar 1870; Alfred Escher an Jakob Dubs, 26. Februar 1865 Emil Welti an Alfred Escher, 6. April 1869.

3 Luigi Amedeo Melegari (1805–1881), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Königreichs Italien in Bern.

4Gemeint ist die französische Übersetzung des italienischen Gutachtens von 1866. Emil Welti an Alfred Escher, 6. April 1869, Fussnote 3.