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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2314 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 99

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Mittwoch, 14. April 1869

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat BE, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

Ich hatte gestern eine einlässliche Besprechung mit Regpräsident Weber die relativ einen guten Erfolg hatte. Bern will dem Bundesrath (nach Ansicht des Herrn Weber ) antworten dass es bereit sei das Gotthard unternehmen zu unterstützen und für dasselbe eine Subvention zu beschliessen.1 Diese Subvention will es bedingungslos ertheilen; es beschränkt sich darauf, dem Bundesrath den Wunsch u den Antrag auszusprechen das Unternehmen von Bundes wegen an die Hand zu nehmen. Wird dieser Vorschlag nicht angenommen, so will sich Bern weiter aussprechen; es wird aber auch in diesem Falle | für seine Subvention keine Gegenleistungen fordern.

Herr Weber war entschlossen diese, mir selbstverständlich ohne alle Verbindlichkeit geäusserten Anschauungen im Regrath zu vertreten. Heute soll darüber discutirt werden. Spricht sich Bern in diesem Sinne aus, so geht wenigstens der Boden für die endliche Verständigung nicht verloren. Sobald mir der Beschluss des Regrathes bekannt ist theile ich Ihnen denselben mit.

Von Stuttgart schreibt mir Herr von Ow2 (der sich z. Z. dort befindet) er wünschte baldmöglichst in den Besitz des Finanzplanes | der Gotthardunternehmung3 zu kommen «indem man sich dort für die Angelegenheit sehr interessire». Ich hatte ihn gebeten mir bestimmt zu sagen ob ein Gesuch um Subsidien Aussicht auf Erfolg hätte.4 Hoffentlich bekomme ich von Herrn von Dusch5 hierüber eine bestimmtere Antwort.

Nach Stuttgart soll ich im Weitern ein Exemplar des italien. Berichtes6 schicken; die Mehrzahl der hiesigen Gesandten haben mir auch schon welche abverlangt; wenn Sie mich in den Stand setzen wollten, wenigstens theilweise entsprechen zu können, wäre es | mir sehr lieb; ich werde eine möglichst gute Verwendung eintreten lassen.

Mit bekannter Hochachtung

Ihr ergebenster

E Welti

Bern den 14. April 1869.

Kommentareinträge

1Die Orientierung über die Noten Italiens, Norddeutschlands und Badens durch den Bundesrat beantwortete der Kanton Bern mit Schreiben vom 15. April 1869, in welchem er seine Haltung in der Gotthardfrage darlegte. Vgl. Volmar, Alpenbahnpolitik, S. 114–120; Die Gotthardvereinigung, Die internationale Gotthardkonferenz von 1869.

2 Adolf von Ow-Wachendorf (1818–1873), ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Königreichs Württemberg in Bern.

3Der Ausschuss der Gotthardvereinigung reichte im April 1869 dem Bundesrat Planmaterialien und ein Finanzprojekt ein. Die Gotthardvereinigung, Absatz 24.

4 Württemberg teilte der Schweiz erst Ende September, als die internationale Konferenz bereits eröffnet war, die Bereitschaft zur Unterstützung des Gotthardprojekts mit und nahm anschliessend am weiteren Verlauf der Konferenz teil. Die Gotthardvereinigung, Die internationale Gotthardkonferenz von 1869.

5 Ferdinand von Dusch (1819–1889), Ministerresident des Grossherzogtums Baden in Bern.

6Gemeint ist die französische Übersetzung des italienischen Gutachtens von 1866. Emil Welti an Alfred Escher, 6. April 1869, Fussnote 3.