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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2287 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 94

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Samstag, 27. Juni 1868

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Handelsverträge, Staatsverträge

Briefe

Hochgeehrter Herr

Von Herrn Pioda ist ein Brief an den Bundesrath gelangt worin er sich über den Fortgang der Handelsvertrags-Negotiationen ausspricht. Er erklärt darin unter anderm dass das italienische Ministerium ungern auf unsere Proposition wegen des Alpenbahnartikels eintrete, weil trotz aller Geneigtheit von Seite Italiens von uns noch nichts geschehen sei und man daher nicht absehe was ein neuer Artikel helfen soll.

Wir haben ihm gestern erwiedert, dass wir auf unserer Instruction bestehen und haben namentlich auch auf den letzten Friedensvertrag zwischen | Östreich und Italien hingewiesen der eine ganz ähnliche Clausel enthält.1

Wie mir scheint betreibt H. P. die Sache nicht mit dem gehörigen Eifer; es ist ein Jammer dass das sogar bei den Leuten geschieht die froh sein sollten überhaupt etwas zu thun zu haben.

Mit der Berliner-Gesandtschaft an welcher ein wesentlicher Theil unserer Hoffnungen hängt sind wir immer noch nicht weiter; doch hat das politische Departement auf die nächste Zeit Vorlagen angekündigt.2

Ihr ganz ergebenster

E Welti

Bern
27. Juni 1868.

Kommentareinträge

1 Vgl. Prot. BR, 26. Juni 1868. – Nach dem Preussisch-Österreichischen Krieg, in dem Italien im Bündnis mit Preussen gekämpft hatte, schlossen Italien und Österreich im Oktober 1866 den Frieden von Wien. Dieser enthielt folgenden Artikel mit Alpenbahnbezug: «Les gouvernements d'Autriche et d'Italie, désireux d'étendre les rapports entre les deux Etats, s'engagent à faciliter les communications par chemins de fer et à favoriser l'établissement de nouvelles lignes pour relier entre eux les réseaux autrichiens et italiens.» Traité de paix entre l'Autriche et l'Italie signé à Vienne le 3 octobre 1866, Art. 13, in: Historisches Seminar Universität Bern, Friedensverträge, S. 47. Vgl. Scirocco, Risorgimento, S. 467–470; Kinder/Hilgemann, dtv-Atlas II, S. 351; Die Gotthardvereinigung, Absatz 13.

2Nach der Demission Joachim Heers als Gesandter in Berlin wurde die Schweizer Vertretung in den deutschen Staaten durch Charles Emanuel Philippe Mercier (1844–1889) als Interimsbeauftragter geführt, bis der Bundesrat am 5. August 1868, auf Vorschlag von Jakob Dubs, den eidg. Oberst Bernhard Hammer (1822–1907) zum neuen Gesandten ernannte. Vgl. Prot. BR, 23. März 1868; Prot. BR, 5. August 1868; Altermatt, Diplomatie, S. 72–73, 240–241, 265–266; Emil Welti an Alfred Escher, 15. November 1867.

Kontexte