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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2268 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 87

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Freitag, 17. April 1868

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Deutsches Zollparlament, Diplomatische Aktivitäten, Handelsverträge, Lukmanierbahnprojekt, Staatsverträge, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr

So eben war der preussische Gesandte bei mir, um mich vertraulich von der Antwort in Kenntniss zu setzen welche er bereits gestern auf das Ihnen bekannte Schreiben Bismarks1 nach Berlin geschickt hat. Herr Röder geht in seiner Antwort von der Voraussetzung aus das Schreiben Bismarks enthalte keine Ablehnung sondern die Bedingungen unter denen über diese Angelegenheit verhandelt werden soll und sagt über dieselben, wenn Bismark auch die Bahnrichtung zur Besprechung bringen wolle, so werde diess keine Schwierigkeit machen; nur sei es im entschiedenen Interesse Preussens vom Lukmanier abzusehen | und bloss einen centralen Übergang zu subventioniren; eine solche Erklärung sei geeignet den inneren Streit der Schweiz factisch zu entscheiden und so die Frage ihrer Lösung wesentlich näher zu bringen.

Mit Herrn Dubs habe ich heute gesprochen und eine grosse Unentschiedenheit bei ihm wahrgenommen; er sieht die Antwort Bismarks eher als eine Ablehnung an. Ich suchte ihm das Irrthümliche dieser Auffassung begreiflich zu machen; mit welchem Erfolge weiss ich nicht; eine definitive Antwort über seine Ansicht und seine Stellung zum Antrag des Departementes des Innern gab er mir nicht.

Gleichwohl glaube ich mit Ihnen dass er zu unsern Gunsten entscheiden wird. Jedenfalls | muss nun eine Entscheidung erfolgen, so oder so; und ich sehe das schon als einen Gewinn an. Die Verhandlung findet übrigens erst am Montag statt; ich berichte Sie sofort telegraphisch über das Resultat.

Als selbstverständlich setze ich voraus dass bei den einflussreichen Mitgliedern des Zollparlementes alles geschieht um sie der Sache geneigt zu machen;2 die Rückwirkung derselben auf die Regierung kann nicht ausbleiben.

Mit Hochachtung

Ihr ergebenster

E Welti

Bern
17. April 1868.

Kommentareinträge

1 Otto von Bismarck (1815–1898), Ministerpräsident und Aussenminister des Königreichs Preussen, Kanzler des Norddeutschen Bundes.

2Escher hatte den Ausschuss der Gotthardvereinigung bereits Ende März darauf hingewiesen, dass der Handelsvertrag im deutschen Zollparlament zur Sprache kommen werde, «in welchem einflußreiche und für die Gotthardbahn günstig gesinnte Mitglieder sitzen» . Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 30. März 1868. – In der am 27. April eröffneten Session des Zollparlaments wurde der Handelsvertrag nicht traktandiert. Vgl. Sten. Bericht Zollparlament, 1868.