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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2264 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 85

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Dienstag, 7. April 1868

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Handelsverträge, Staatsverträge

Briefe

Hochgeehrter Herr

Nach meinem Dafürhalten sind unsere Angelegenheiten auf gutem Wege. Herr Schenk hat gestern im Bundesrath angekündigt, dass er bei Berathung der Instructionen für den deutschen Handelsvertrag einen Vorschlag betr. die Alpenbahn einbringen werde. Er that das desshalb um zum Voraus die Einwendung zu beseitigen als ob man den Bundesrath in der letzten Stunde habe überraschen wollen. Was den angekündigten Vorschlag selbst anbelangt so geht derselbe dahin, dass sich die contrahirenden Staaten zu gemeinsamer Bethätigung zum Zweck der Erstellung einer schweiz. Alpenbahn verpflichten. So ungefähr ist der Wortlaut welcher genau mit dem Antrage zusammenfällt den Herr Dubs als damaliger Chef des Innern bei der ersten Berathung der Instructionen im Jahr 1865 gestellt hat. Es liegt schon hierin eine Garantie dass Herr Dubs zu dem Antrag stimmen wird;1 was er mir | übrigens nicht förmlich erklärt hat. Dagegen weiss ich von ihm selbst soviel, dass er den preussischen Gesandten veranlasst hat offiziös in Berlin anzufragen ob man geneigt sei bei den Vertragsverhandlungen den Gegenstand zur Besprechung zu bringen. Herr von Röder mit dem ich seither die Sache wiederholt besprach zeigte sich sofort bereit und hat sich in einem Schreiben an sein Ministerium gewendet welches ich selbst gelesen habe und dessen Inhalt mir sehr angemessen erscheint. Er zweifelt nicht an einer günstigen Antwort und für diesen Fall wäre dann die Entscheidung im Bundesrath nicht im Mindesten zweifelhaft.

Ob Herr Heer den Vertrag noch negoziren wird ist immer noch nicht definitiv ausgemacht, dagegen hat Herr Stähelin2 bestimmt zugesagt.3 Sobald Herr Schenk seinen Antrag eingereicht hat theile ich Ihnen den Wortlaut mit

Mit wahrer Hochachtung

Ihr ergebenster

Welti

Bern 7. April 1868. |

Noch muss ich der Vollständigkeit wegen bemerken dass Herr Dubs in der gestrigen Sitzung den Wunsch aussprach Herr Schenk möge von sich aus einen Antrag bringen ohne hiezu einen Auftrag vom Bundesrath zu verlangen, damit er nicht veranlasst werde in dieser Vorfrage einen Stichentscheid geben zu müssen. Ich glaube durchaus nicht dass hieraus ein ungünstiger Schluss in Bezug auf seine Intentionen gezogen werden dürfe.

E W.

Kommentareinträge

1Über die Abstimmung im Bundesrat und das Abstimmungsverhalten der Bundesräte berichtet Welti Escher am 22. April Emil Welti an Alfred Escher, 22. April 1868.

2 August Stähelin-Brunner (1812–1886), Grossrat (BS), Verwaltungsrat der Schweizerischen Centralbahn und der Basler Handelsbank.

3 Heer erklärte sich nach seiner Demission als ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Berlin bereit, die Vertragsverhandlungen mit den deutschen Staaten in Sondermission weiterzuführen. Er reiste im März 1868 nach Berlin zurück, doch war die Dauer seines Aufenthalts unsicher, da er seine Teilnahme an der Glarner Landsgemeinde zugesagt hatte.Vgl. Prot. BR, 5. Februar 1868; Prot. BR, 23. März 1868; Prot. BR, 25. März 1868; Prot. BR, 1. April 1868; Prot. BR, 3. April 1868; Prot. BR, 6. April 1868; Widmer, Schweizer Gesandtschaft, S. 66; Emil Welti an Alfred Escher, 15. November 1867, Fussnote 5.