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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B2254 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Montag, 30. März 1868

Schlagwörter: Demissionen, Nationalrat, Wahlen

Briefe

Glarus den 30. März 1868.

Mein theurer Freund!

Empfange meinen herzlichsten Glückwunsch zu Deiner, unter den gegenwärtigen Umständen höchst erfreulichen u. bedeutungsvollen Wiederwahl in den Nationalrath, sowie meinen besten Dank für die telegraphische Mittheilung des Ergebnisses. Es zeigt sich nun doch durch den Erfolg, daß Deine Demission ein ganz richtiger Schritt war; denn nicht nur ist nun in Folge der Wiederwahl Deine Stellung im Nationalrathe eine viel günstigere als sie es sonst gewesen wäre, sondern es ist Dein Sieg über die Gegner natürlich auch eine eklatante Schlappe für diese letztern, was sie deutlich genug zum voraus erkannten. Die Niederlage der sogen. Demokraten ist von um so größerer Tragweite, als sich in Dir u. Deinem Gegenkandidaten Locher der Gegensatz der Partheien, in welche der Kanton Zürich dermalen zerfällt, gleichsam verkörperte. Daß trotz der jetzt vorherrschenden Strömung für Revision Deine Wiederwahl in so ehrenvoller Weise erfolgte, ist die glänzendste Anerkennung | Deiner vielfachen Verdienste u. Deiner staatsmännischen Tüchtigkeit, die Du Dir nur wünschen konntest!

Mit Vergnügen las ich heute auch in der Zeitung das Ergebniß der dritten Verfassungsrathswahl in der Stadt Zürich; namentlich freut es mich, daß Rüttimann & Hagenbuch unter den Gewählten sind. Das Gesammtergebniß der Wahlen ist wahrscheinlich doch noch besser als man zuerst erwartete u. glaubte; namentlich sind wohl unter den Neuen (d. h. den Nicht-Kantonsräthen) ziemlich viele, die entweder entschieden nicht oder doch nicht entschieden zur Revisionsparthei gehören. Ich sprach gestern mit einem Graubündner, der mit den zürcher'schen Demokraten auf sehr gutem Fuße steht; er schien mir mit den Wahlen keineswegs sehr zufrieden zu seyn!

Meine l. Frau, der ich natürlich Dein Telegramm sofort mittheilte, hat mir noch ausdrücklich aufgetragen Dir zu sagen, daß auch sie große Freude gehabt habe an der angenehmen Nachricht, welche dasselbe enthielt. Vom persönlichen Standpunkte aus füge ich noch bei, daß es mich nun besonders freut, daß Du mir in Bern im nächsten Sommer nicht fehlen wirst.

Empfehle mich bestens Deinen verehrten Damen u. sey herzlich gegrüßt von

Deinem treuen

Dr J J Blumer.