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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B2251 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Sonntag, 8. März 1868

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Liberale Presse, Presse (allgemein)

Briefe

Glarus den 8. März 1868.

Mein theurer Freund!

Du sprachst am Schlusse Deines letzten Briefes, den ich Dir herzlich verdanke, die Erwartung aus, mich übermorgen in Zürich zu sehen, u. ich selbst freute mich auf dieses Wiedersehen um so mehr als ich bereits auf morgen in die Prüfungskommission eingeladen war u. daher zwei Tage in Zürich hätte verweilen können. Leider ist nun ein Trauerfall dazwischengekommen, der mich am Erscheinen verhindert: es ist nämlich mein alter Onkel Herr Dr. O. Blumer im 77sten Lebensjahre verstorben. In Folge eines Schlagflusses, den er vor 6 Wochen hatte, war bei ihm eine Gehirnerweichung eingetreten, so daß wir ihm in der That nur eine baldige u. möglichst schmerzlose Erlösung aus diesem Zustande, wie sie nun eingetreten ist, wünschen konnten. Morgen findet die Beerdigung meines sel. Onkels statt, u. auch Dienstags will es sich mir noch nicht recht schiken nach Zürich zu gehen, zumal ich auch von einer ziemlich starken Grippe, die mich in den letzten Wochen befallen, noch nicht ganz hergestellt | bin.

Es hat mich sehr gefreut, daß gestern ein sehr gut geschriebner Artikel in der N. Z. Ztg. erschienen ist, der wahrscheinlich Deine eigensten Gedanken besser ausgesprochen hat als der meinige in der «Sonntagspost». Ich konnte eben zunächst nur meine Anschauungsweise entwickeln, war von Deinen Motiven nur theilweise unterrichtet u. glaubte auch von Deinen Mittheilungen nur sehr behutsamen Gebrauch machen zu dürfen. Eben deßhalb fühlte ich auch das Bedürfniß, Dir meinen Artikel, bevor er nach Bern abgehe, zur Einsicht mitzutheilen, damit Du nicht nachher sagen müssest: «Herr, bewahre mich vor meinen Freunden!» Ich hätte gewiß nichts dagegen eingewendet, wenn Du meinen guten Willen zwar anerkannt, aber aus diesen oder jenen Gründen den Wunsch ausgesprochen hättest, daß mein Artikel lieber nicht erscheinen möge. Da Du ihn nun hast passiren lassen, so wünsche ich nur von Herzen, daß er Dir jedenfalls nicht schaden, sondern eher etwas nützen möge!

Empfehle mich bestens Deiner verehrten Mutter u. Schwester u. sey – nebst besten Grüßen von meiner l. Frau – herzlich gegrüßt von

Deinem treuen

Dr. J J Blumer.