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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B2248 | FA Tschudi

In: Gagliardi, Escher, S. 553

Alfred Escher an Johann Jakob Blumer, Zürich, Dienstag, 3. März 1868

Schlagwörter: Demissionen, Freundschaften, Presse (allgemein)

Briefe

Mein theurer Freund!

Empfange vor allem meinen warmen Dank für den neuen Beweis treuer Freundschaft, welchen Du mir durch die mir übersandte Antwort auf den Artikel der «Sontagspost» betreffend meinen «Rücktritt» geleistet hast. Ich habe mich aus demselben wiederholt überzeugen können, daß Du mich in allen wichtigen Augenblicken meines Lebens stets mit der gleichen anhänglichen Theilnahme umgibst. Ich darf sagen, daß ich zu denen gehöre, welche einen treuen Freund als eines der höchsten Güter, welche dem Menschen zu Theil werden können, betrachten, & ich füge hinzu, daß, wenn jemand es war, der diese Anschauungsweise in mir hervorrief, Du es von Allen aus gewesen bist!

Einen Artikel, den Du über mich schreibst, | werde ich nie beanstanden & so habe ich denn auch Deine Einsendung an die Redaction der Sontagspost abgehen lassen. Wenn ich auch hie & da etwas anders nuancirt hätte, so erkläre ich mich doch in der Hauptsache mit Deiner Auffassung ganz einverstanden. Im Vorbeigehen erwähne ich nur, daß zu meiner Ablehnung der Candidatur für den Verfassungsrath die Ungewißheit, in welcher Verfassung ich das voraussichtlich kleine Häuflein meiner Partei dort angetroffen hätte, ob gesinnungstüchtig zusammenhaltend oder nach persönlichen Interessen speculirend, nicht am wenigsten beigetragen hat. Wie kann man aber von solchen Dingen öffentlich reden?

Nochmals meinen warmen Dank. Herzliche Grüße an Deine treffliche Frau & an Deine verehrte Mutter. Künftigen Dienstag hoffe ich Dich in Zürich zu sehen.

In alter Freundschaft & Treue

Dein

A Escher

Z. 3. III. 68.