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Korrespondenz: Alfred Escher – Carl Feer-Herzog

AES B2242 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#202*

Carl Feer-Herzog an Alfred Escher, Aarau, Samstag, 8. Februar 1868

Schlagwörter: Postwesen, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Verfassung AG

Briefe

AARGAUISCHE BANK
AARAU

Aarau den 8 Febr. 1868

Hochgeehrter Herr!

Sie wollen mir verzeihen wenn ich in Ihre gewiß jetzt doppelt belegte Zeit eingreife und Sie von einem Gegenstande unterhalte der Ihnen nicht sehr intereßant vorkommen mag. Allein es handelt sich um eine Bauangelegenheit die bei der gegenwärtigen Jahreszeit in Angriff genommen werden sollte und der ich deßwegen Theilnahme schenke weil sie einen häßlichen leeren Platz zwischen dem hiesigen Bahnhofe und der Bank füllt und weil ich dafür halte daß sowohl die Bahnverwaltungen als das Publikum Werth darauf setzen sollen daß das neue Postgebäude – denn von diesem ist die Rede – in die unmittelbare Nähe der Station zu stehen komme.

Die Nordostbahn hat den Bauunternehmern Naef & Zschokke drei Bedingungen gestellt die sehr erschwerend auf das Zustandekommen der Sache wirken. Die erste besteht darin daß das neue Gebäude ca 12' weiter westlich geschoben werden soll als N. & Z. es ursprünglich vorschlugen. Dadurch gerathen letztere in die Lage dem Postdepartement statt der kontraktlich verlangten Postremise hinter dem Hauptgebäude von 130' Länge nur eine solche von 118' bieten zu können und können nun zwischen den Begehren der beiden Verwaltungen, Post und Bahn, die widersprechend sind, zu keinem Abschluße kommen. Die zweite und dritte Bedingung haben mit dem Postdepartement nichts zu thun sondern beziehen sich mehr auf die finanzielle Zukunft der Sache. Sie behalten sich nemlich vor nach 25 Jahren wenn das Gebäude eine andre Bestimmung erhalten sollte a) längs der östlichen Seite des neuen Gebäudes einen Abschluß vermittelst eines Hages zu erstellen und somit b) dasselbe nicht nur gegen den Bahnhofplatz abzuschließen sondern ihm auch die Möglichkeit jedes Zugangens vom Vorplatze aus, selbst desjenigen der nur bei der nordöstlichen | Ecke des Gebäudes vorbeiführen würde zu benehmen. Es erscheint mir dieß hart, denn die Betrachtungen die sich an ein gewöhnliches Privatgrundstück knüpfen, werden durch die Verhältniße eines offenen Bahnhofvorplatzes sehr modifizirt. Die Möglichkeit eines Zuganges auch wenn das Gebäude einst Privatzwecken dienen sollte kann jenem Platze nie schaden, während ihre Verneinung heute geeignet ist das Postlokal vom Bahnhofe weg in die Stadt zu drängen d. h. irgend wohin wo die weitere entferntere Zukunft einen nothwendigen Zugang nicht beeinträchtigt.

Ich möchte mir deßwegen erlauben diese Verhältniße Ihrer wohlwollenden Berücksichtigung zu empfehlen. Da die Pläne auf Ihrer Direktion liegen sollen so enthalte ich mich solche beizufügen und schließe mit der Bitte ab daß Sie mir sobald als thunlich eine Antwort zu Theil laßen möchten. –

Im Aargau wird bereits der Abklatsch der Zürcherischen Bewegung in Szene gesetzt. Die Sache ist um so unmotivirter als wir erst 1862/63 die Verfaßung revidirt haben und einen großen Theil der «Volksrechte» von denen bei Ihnen die Rede ist längst besitzen. Das einzige Begehren konstitutionellen Inhaltes das von den reformirten Wählern gestellt werden wird ist das Referendum für Alles und Jedes, und das hoffe ich werden wir auch noch dießmal überwinden, so gut als die katholischen Bestrebungen die bei jedem der derartigen Anlaße mit erneuter Kraft erwachen. Weit schwerern Stand werden wir mit den Postulaten haben die sich mehr auf die Gesetzgebung beziehn und denen allen ein ochlokratischer Charakter eigen ist: Krieg dem verbeßerten Erziehungswesen (den erhöhten Schullehrerbesoldungen, den Maturitätsprüfungen, dem Progymnasium in Aarau) so wie allen Bestrebungen der Kultur und Humanität wie namentlich unsern neuen Hochbauten. Sodann die alte Geschichte vom Salzpreis. Mit dem Letztern ver| hält es sich so. Setzt Zürich den Salzpreis auf 5 Rp. herunter so müßen wir folgen, sonst aber meine ich werden wir uns diese Einnahme von jährlich F 195'000 " erhalten können.

Sehr viel hoffe ich davon wenn wie sehr wahrscheinlich wir die ganze Revision bis in den Herbst hinausschieben können.

Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr, die Versicherung meiner wirklichen Hochachtung und Ergebenheit.

Feer Herzog

Herrn Dr. Alfred Escher in Zürich

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