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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2236 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 84 | Jung, Aufbruch, S. 573–574 (auszugsweise)

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Mittwoch, 8. Januar 1868

Schlagwörter: Bundesrat, Diplomatische Aktivitäten, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeehrter Herr

Es freut mich Ihnen mittheilen zu können, daß die preußische Gesandtschaft sich entschloßen hat den Schritt bei ihrer Regierung zu thun von dem ich Ihnen schon früher gesprochen habe.1 Herr von Röder hat mir eine Abschrift des Schreibens an den Grafen Bismark2 vorgelesen | worin er die Wichtigkeit betont welche die Gotthardbahn für Preußen habe u dann namentlich auch auf die Sympathien hinweist welche in der Schweiz durch die Mithilfe an einem solchen Werk bleibend erworben werden könnten. Dasselbe sei auch gegenüber Italien der Fall. In diesem Augenblick drohe aber gerade dem Gotthard Gefahr in Folge der neuesten italienischen Eisenbahn bestrebungen; Italiens Finanzen seien | in bösem Zustande u die politische Stellung des Bundesrathes wenig zur Initiative angethan, während anderseits die Geneigtheit zur Anhandnahme der Sache vorhanden sei.

Unter diesen Umständen scheine es geboten daß Preußen die Sache an die Hand nehme u in ganz unvorgreiflicher Weise die Schweiz u Italien «zu einer Besprechung über den Bau einer Gotthardbahn» einlade.

Dieses Schreiben ist nun nach Ber| lin abgegangen. Sobald eine Antwort da ist u ich etwas darüber erfahre mache ich wieder Bericht.3

Mit Hochachtung

Ihr ergbnstr

E Welti

Bern
8. Jan. 1868.

Kommentareinträge

1Am 13. Januar 1868 berichtete Escher dem Ausschuss der Gotthardvereinigung von diesem Schritt Roeders, worauf der Ausschuss beschloss, den Erfolg abzuwarten, im Falle der Ablehnung durch Preussen oder durch den Bundesrat das Projekt aber wieder direkt in Deutschland und Italien weiter zu betreiben. Vgl. Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 13. Januar 1868.

2 Otto von Bismarck (1815–1898), Ministerpräsident und Aussenminister des Königreichs Preussen, Kanzler des Norddeutschen Bundes.

3Ein bezüglicher Brief Weltis konnte nicht ermittelt werden.