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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B2205 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Bad Wildbad, Mittwoch, 26. Juni 1867

Schlagwörter: Personelle Angelegenheiten

Briefe

F. G. Ehrhardt
KANTONSFÜRSPRECH
ZÜRICH.

Wildbad, 26. Juni 1867.

Mein guter, lieber Escher!

Obschon ich recht matt u. angegriffen mich fühle, will ich doch mit einigen Worten Deinen gestern erhaltenen Brief beantworten u. Dir für dieses schnelle Zeichen Deiner Freundschaft meinen herzlichen Dank aussprechen. Wie freut es mich zu hören, daß Du Dich so wohl befindest u mit Befriedigung auf Deinen Aufenthalt in Bern blicken kannst, daß Du feste Pläne für Deine Erholung gefaßt, u. dadurch hoffentlich wieder festes Vertrauen in Deine Gesundheit bekommen hast, woran es Dir eigentlich mehr, wie an letzterer selbst gefehlt hat, um Dich ganz wohl zu wissen. Die Erfahrungen mit Häberli sind, – ich begreife es –, für Dich deprimirend, mir aber nicht unerwartet, denn unsre gute u. kluge Frau Oberst hat mir oft diese Entwickelung in Häberlis Beziehungen zu Dir vorausgesagt. Sie hielt H. für | keinen edlen Character, dessen Freundschaft für Dich simulirt u nur auf eigen nützigen, Tendenzen beruhend sei. Wie oft hat diese vortreffliche Frau, besser wie wir, das Richtige getroffen u. wie werden wir, die wir sie näher zu kennen, das Glück hatten, noch in der Lage sein, sie schmerzlich zu entbehren!

Was Du mir von Rüttimann sagst, freut mich nur zur Hälfte. Er sollte sich weit mehr schonen; nur so kann er auf ferneres Wohlbefinden zählen. Du solltest ihn, so hart es sein mag, von dem Tribut, den er der Geselligkeit bringt abmahnen.

Deiner armen Mutter sage, wie sehr ich sie bedaure. Ich wollte an sie schreiben, allein meine Hand, die mich immer noch genirt, u auch meine Stimmung, die leider nicht brillant in W. geworden ist, werden mich wohl nicht dazu kommen lassen. Ich weiß, daß ich nachsichtige Entschuldigung | nicht vergebens hoffe.

In Jungfr Tobler würde ich, wegen der Begleitung nach Interlaken, nicht weiter dringen. Man kann, mein lieber Freund, selbst in gut u ehrlich gemeinten Anerbietungen manchmal zu weit gehen u. das, was Vergnügen ist zum Opfer machen. Aber die «Jumpfer» würde ich, wenigstens nach I. (unter Zuzug von [Escher?]) mitnehmen. Frau [M...t..?] übernimmt sicherlich gerne die weibliche Oberleitung, u dann ist die «Jumpfer» schon ein so verständiges Frauenzimmer, daß sie auch hin u wieder einen Tag (z. B. bei [E...?]) mit E. allein durchkommen kann.

Von Gerichtsschreiber Schw. habe ich immer noch keinen Bericht wegen der kreisrichterlichen Wohnung erhalten, trotz dem, daß ich hierüber zum zweitenmale an ihn schrieb, ehe ich von Z. fortgieng Solltest Du Stockar vor mir sehen, so besprich das Nöthige mit ihm, Frau St. weiß von Allem dem nichts. Es wäre fatal, wenn Eggbert, angetrieben durch das Beispiel seines Preuss. Collegen, sich in M ebenfalls verheirathen würde.

Dein Spott mit der Kaiserin von Rußland trifft nicht. Ich wohne im ersten | Hotel, die Kaiserin wohnt im dritten dem Range nach. Hätte ich so tief herabsteigen wollen, so würden mir die kaiserlichen Zimmer nicht entgangen sein. Dafür wohne ich mit dem Rothschilde von Ffurt u Paris zusammen u. erwarte täglich den Londoner.

Sonst ist es hier grenzenlos langweilig. W hat alle Inconvenienzen großer Bäder, aber keinen der Vorzüge. Ach wäre ich an den warmen Quellen von Baden! Heute will ich nicht jammern, aber wenn ich zurückkomme u. es nicht bessert.

Meine Hand versagt mir weitere Dienste deshalb herzliche, warme, treue Freundesgrüße u die besten Empfehlungen für alle die Deinigen u für Bekannte.

Von ganzem Herzen, wie immer Dein

Er.

Heute erhielt ich einen Brief vom [H...?] der mich, in seinem u der Familie [Ba...?] Namen, recht freundlich nach Canstatt [einladet?].