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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2204 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 77 | Jung, Aufbruch, S. 404 (auszugsweise)

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Dienstag, 25. Juni 1867

Schlagwörter: Eisenbahnrückkauf, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeehrter Herr

Was Sie in Ihrem Schreiben über das weitere Vorgehen in der Gotthardfrage aus sprechen stimmt mit meinen Ansichten völlig überein. Bei der nahen Möglichkeit mündlicher Rücksprache enthalte ich mich auf einzelne Punkte näher einzugehen u erlaube mir lediglich einige Bemerkungen zu Ihrer letzten Frage. Die Gefahr der Übernahme der Eisen| bahnen durch den Bund war nach meiner festen Überzeugung nie so groß als man vielfach glaubte. Es hat sich zur Zeit der Stämpfli'schen Broschüre1 nicht eine einzige maßgebende Persönlichkeit dafür ausgesprochen. H. Stämpfli selbst erklärte, wie ich zuverläßig weiß, daß er sich in seiner Voraussetzung getäuscht habe u seine Idee aufgebe weil sie offenbar keinen Anklang finde. Was er jetzt darüber denkt u welche Absichten er mit der «Einmischung» des Bundes verbindet weiß ich allerdings nicht, aber so viel ist sicher daß | ein neuer Versuch der Centralisation in den Händen des Bundes heute keinen beßern Erfolg hätte als damals. Jedenfalls darf die Möglichkeit einer solchen Absicht den Bund nicht hindern sich an einem Werke zu betheiligen das ohne seine Mitwirkung, ich bin deßen überzeugt, nicht zu Stande kommt.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebenster

E Welti

Bern
den 25. Juni 1867.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notitz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «Bern, 25. Juni 1867.»

1Im Dezember 1862 veröffentlichte der damalige Bundespräsident Stämpfli eine Denkschrift mit dem Titel «Rückkauf der schweizerischen Eisenbahnen», in der er sich für die Übernahme sowohl der bestehenden als auch der im Bau befindlichen schweizerischen Eisenbahnen durch den Bund aussprach. Vgl. Stämpfli, Rückkauf; Jung, Aufbruch, S. 394–402; Alfred Escher an Jakob Dubs, 1. September 1863, Fussnote 6.

Kontexte