Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B2201 | CH-BAR#J1.2#1000/1310#35*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 75 | Jung, Aufbruch, S. 403 (auszugsweise)

Emil Welti an Alfred Escher, s.l., Donnerstag, 20. Juni 1867

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Handelsverträge, Staatsverträge

Briefe

Hochgeehrter Herr

Ich komme eben von einer Besprechung mit Herrn Stämpfli1, dem ich auseinander setzte wie sehr ein einträchtiges Wirken aller Kräfte noth thue, wenn die Schweiz nicht in Eisenbahnsachen von ihren Nachbarn überholt u in ihrer Entwicklung einen unabsehbaren Schaden nehmen solle. Ob er damit einverstanden sei| daß der Bundesrath die Sache an die Hand nehme u soviel an ihm nach Kräften fördere. Herr Stämpfli war mit meinem Entschluß die Angelegenheit zur Bundessache zu machen völlig einverstanden u meinte daß in keiner Weise mehr gezögert werden sollte. Der Zollvertrag mit Deutschland sei der geeignete Anlaß u die Vertretung in Berlin werde dort ohne Zweifel williges| Gehör finden. Er sei seiner Zeit aus dem Gotthardkomite ausgetreten2, weil er die Überzeugung gehabt habe, daß ohne thätiges Eingreifen der Bundesbehörden die nöthige Förderung des Unternehmens nicht zu erwarten sei. Sobald dieses stattfinde könne man auch seiner Unterstützung sicher sein.

Das sind im Allgemeinen die Äußerungen des Herrn Stämpfli, die ich Ihnen ganz confiden| tiell mittheile. Nächster Tage werde ich mit dem preußischen Gesandten eine Unterredung über denselben Gegenstand haben. Er ist ein Mann der viel darauf hält etwas Bemerkenswerthes zu thun, läßt sich aber leicht leiten. Deßhalb ist es doppelt nöthig daß man ihn sofort in unser Intereße ziehe. Wenn Sie mir mit einigen Worten das Ergebniß der letzten Comitesitzung berichten wollten wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Hochachtungsvoll

E Welti

20. Juni 1867.

Kommentareinträge

110 Tage vor diesem Brief schreibt Welti an Escher, es sei ihm «trotz wiederholten Versuches» nicht möglich gewesen, die «gewünschte Besprechung» mit Stämpfli zu halten. Emil Welti an Alfred Escher, 10. Juni 1867.

2 Stämpfli demissionierte am 7. Juni 1866 aus dem engeren Ausschuss der Gotthardvereinigung. Er war den Sitzungen dieses Gremiums oft ferngeblieben und gleichzeitig Mitglied eines Grimselkomitees.Die Gotthardvereinigung, Absatz 12.