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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B2185 | CH-BAR#J1.165#1983/44#67*

Alfred Escher an Karl Schenk, Zürich, Donnerstag, 3. Januar 1867

Schlagwörter: Expropriationen, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Hochgeachteter Herr Bundesrath!

Sehr verbunden bin ich Ihnen dafür, daß Sie in Folge der Scrupel, welche betreffend die Wahl des Hrn. Oberstl. Schenk von Uhwiesen zum Mitgliede der Eidg. Schatzungscommission für den Ctn. Thurgau in Ihnen aufgetaucht sind, eine offene Anfrage an mich richtten. Es verpflichtet mich dieß dazu, Ihnen ebenso unumwundene Auskunft zu ertheilen.

Hr. Oberstl. steht auch nicht in dem entferntesten Abhängigkeitsverhältnisse zu der Nordostbahn, sonst hätte ich, wie Sie mit Recht voraussetzen, nicht daran gedacht, ihn als Mitglied der Schatzungscommission in Vorschlag zu bringen. Die einzige Berührung, welche zwischen Hrn. Schenk & der Nordostbahngesellschaft Statt gefunden hat, besteht darin, daß Hr. Schenk vor sehr geraumer Zeit Actuar & zwar tüchtiger Actuar | einer die N.O.B. betreffenden Eidg. Schatzungscommission war. Was seine Candidatur für die Nationalrathswahl betrifft, so habe ich nicht den mindesten Antheil an derselben. Es ist dieß in dem Grade wahr, daß, als mir einige Zeit vor den Wahlen von einem Wähler des Bezirkes Andelfingen gesagt wurde, es walte die Absicht ob, die Candidatur des Hrn. Schenk aufzustellen, ich aus Gründen, welche hier zu entwickeln zu weit führen würde, davon abrieth! Wenn ich Hrn. Schenk als Mitglied der Eidg. Schatzungscommission für den Ctn. Thurgau vorschlug, so geschah es lediglich, weil ich die Überzeugung habe, daß er, weil mit den Expropriationsgeschäften bereits vertraut & intelligent, ganz an seinem Platze wäre. Hr. Schenk weiß kein Wort davon, daß ich ihn Ihnen genannt habe. Ich habe überhaupt seit Jahren keinen Verkehr mehr mit ihm gehabt.

Für Ihre Auskunft betreffend die Communicate des Hrn. Pioda in der Alpenbahnangelegenheit bin ich Ihnen sehr dankbar. Es sind mir dieselben in der That bereits bekannt & ich bin daher nicht im Falle | von Ihrem gef. Anerbieten, sie mir zu übersenden, Gebrauch zu machen.

Genehmigen Sie mit meinen herzlichen Wünschen für Ihr & Ihrer verehrten Familie Wohlergehen, die ich bei Anlaß des Jahreswechsels ausspreche, die erneuerte Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem ergebenen

Dr A Escher

Zürich
3 Januar 1867.