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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B2184 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Dienstag, 17. Dezember [ 1867 ?]

Schlagwörter: Polemiken und Anwürfe (Escher), Volksversammlungen, -mobilisierungen

Briefe

F. G. Ehrhardt
KANTONSFÜRSPRECH
ZÜRICH.

Mein lieber Escher!

Im Ganzen kann ich meinen letzten Brief nur bestätigen u. auch die große Mehrzahl des verständigen Publicums ist der Ansicht, nicht zu antworten auf das Pamphlet, da dasselbe von ihm richtig beurtheilt wird. Nur Oberschreiber Tobler war der Ansicht, daß man nicht einläßlich zwar antworten, aber die Unwahrheit u. Verdrehungen – für fernerstehende – kennzeichnen solle. Das ist aber ohne förmliches Eintreten auf jeden Punkt nicht möglich u. Alles zusammengefaßt, bleibe ich bei meiner Auffassung. Man sollte einem Manne von Deiner Stellung nicht zumuthen, sich gegen eine Persönlichkeit, wie Locher zu vertheidigen, wo das erforderlich sein könnte, würde auch durch die Antwort nicht viel erreicht werden. Uebrigens sind die Angriffe selbst, abgesehen von deren Tendenz, im Vergleiche mit den Angriffen gegenüber Andern, doch nichtssagend u. deshalb soll auch gerade dieses Loch. Werk bei seinem gewohnten Publicum nicht wesentlichen Effect machen; | dasselbe will mit drastischeren Mitteln bedient sein!

Uebrigens hält selbst Tobler eine Entgegnung nicht für dringend. Ich theilte Dir seine Ansicht nur mit, um Dir auch diese Anschauung zur Kenntniß zu bringen u. weil ich allerdings gerade T. für sehr urtheilsfig u fritvoll kennen gelernt habe. Er selbst hat eine sehr gut geschriebene u. Locher richtig schildernde Arbeit, die zum Theil schon im Elsasser gesetzt ist, entworfen; allein letzterer geht vorsichtlich ungern an die Publication. Das ist eine rechte Misere!

Die Volksversammlungen haben nicht den gehegten Erwartungen entsprochen, woran freilich das Wetter seinen Theil Schuld haben mag. Jedenfalls sind jetzt schon die 10000 Unterschriften zusammen u. so wird es zur Volksabstimmung kommen.

Deine Mutter war am Sonntage recht leidend hatte Samstag u. noch Montag wieder Anfälle von Herzklopfen. | Nach heutigem Berichte geht es ihr aber besser. Sagen soll ich Dir noch, daß Anna an der Gelbsucht leidet u. daß das neue Pferd, mit dem [H...h...?] wohl zufrieden, eingetroffen sei.

Für heute nur noch die besten Grüsse.

Dein

Er

Zürich
den 17. XII. Abends.1

Kommentareinträge

1Datierung gemäss Briefkontext.