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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Frey
  • 1820
  • 1830
  • 1840
  • 1850
    1. von Samuel Frey, 4. Januar 1857 Schlagwörter: Presse (allgemein), Diplomatische Aktivitäten, Bundesrat, Vereinigte Bundesversammlung, Neuenburger Frage (1848–1857), Gesandtschaft in Paris, Nationalratspräsident, Konflikte mit Drittstaaten AES B1550
    2. von Samuel Frey, 18. April 1857 Schlagwörter: Diplomatische Aktivitäten, Neuenburger Frage (1848–1857), Bundesrat, Vereinigte Bundesversammlung, Nationalratspräsident, Presse (allgemein), Landesverteidigung und Militär, Bundesfinanzen AES B1604
    1. von Samuel Frey, 13. April 1860 Schlagwörter: Grosser Rat AG, Lagebeurteilungen (diverse), Regierungsrat AG, Presse (allgemein), Savoyer Frage (1859–1864) AES B1802
    2. von Samuel Frey, 22. April 1860 Schlagwörter: Vereinigte Bundesversammlung, Rechtliches, Lagebeurteilungen (diverse), Konflikte mit Drittstaaten, Volksversammlungen, -mobilisierungen, Liberale Presse, Helvetia (Studentenverbindung), Bundesrat, Presse (allgemein), Savoyer Frage (1859–1864) AES B1807
    1860
    1. von Samuel Frey, 21. November 1866 Schlagwörter: Wahlen, Bundesrat, Liberale Presse, Helvetia (Studentenverbindung), Nationalrat AES B2175
    2. von Samuel Frey, 1. Dezember 1866 Schlagwörter: Nationalrat, Wahlen, Ständerat, Bundesrat, Liberale Presse, Lagebeurteilungen (diverse) AES B2178
  • 1870
  • 1880
  • o. J.

AES B2175 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#215*

Samuel Frey an Alfred Escher, Gontenschwil, Mittwoch, 21. November 1866

Schlagwörter: Bundesrat, Helvetia (Studentenverbindung), Liberale Presse, Nationalrat, Wahlen

Briefe

Gontenschwyl (Aargau) 21 Nov. 66.

Mein lieber Freund!

Meine Gedanken machen einen kleinen Ausflug nach dem herrlich gelegenen Belvoir bei Zürich & haben dort nichts Eiligeres zu thun, als allervörderst meinem lieben alten Bekannten die herzlichsten Grüße seines unentwegten Freundes zu melden. Nachdem sie diese erste & heiligste Pflicht erfüllt haben, wollen sie die Aufmerksamkeit des Zürcherischen Staatsmanns auf die nächsten Bundesrathswahlen lenken. Wie Dir, mein Lieber! bekannt ist, werden alle Anstrengungen gemacht, um möglichst viel «junge Kräfte» in den Bundesrath zu bringen. Als derjenige, welcher vor Allem aus über die Klinge springen soll, wird Frey-Herosee genannt. – Ich bin nun nicht gesonnen, Dir eine Empfehlung des verdienten, im Dienste des Vaterlandes alt gewordenen Staatsmanns vorzutragen. Du kennst ihn diesfalls besser als ich. – Allein eine Frage möchte ich bei Dir in Anregung bringen, nämlich: ob man nicht etwa in der N.Z.Z. die Bundesrathswahlen rechtzeitig besprechen sollte? – Wäre ich Correspondent jenes Blattes, so würde ich selbst schreiben, allein ich stehe der N.Z.Z. viel zu ferne, als daß ich das Wagniß riskiren möchte, ihr einen Artikel zu senden & denselben nach 8 Tagen wieder retour zu bekommen, ohne ein einziges Wort der Entschuldigung, wie mir dieses vor 3 Jahren begegnet ist. – Es | ist aber gewiß wichtig genug, daß die Leitung des schweizerischen Staatsschiffes während der nächsten 3 Jahre nicht ausschließlich in die Hände offener oder verkappter Helvetianer gerathe. Ich will keine Namen nennen, allein wer unbedingt auf Stämpflis Commandowort horcht & ihm als Vasall dient, wie gewisse Bundesrathskandidaten dieses thun, der paßt, nach meiner Meinung, nicht für jene hohe Stelle.

Ich bin weit entfernt, die Anmaßung zu hegen, als könnte ich auf Deine staatsmännisch-gereiftern Ansichten irgend welchen Einfluß ausüben, es genügt mir, wenn ich Dir sagen kann, daß, namentlich bei uns im Aargau, alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um Herrn Frey-Herose zu sprengen. Ich glaube zwar fest daran, daß die überwiegende Mehrzahl der Aargauischen Nationalräthe ihm treu bleiben würde, allein sicher giebt es auch einige Dissentienten. – Die N.Z.Z. gilt als das Organ Deiner besonnenen, freisinnigen Politik. Es wäre zu wünschen, daß Du Deinen Einfluß verwenden würdest, um zur geeigneten Zeit dieses bedeutende Organ in Bewegung zu setzen, damit die Bundesrathswahlen nicht in einseitig-helvetischem Sinne besprochen werden.

Was meine Wenigkeit betrifft, so wollte man mich wieder als Candidat für die Nationalrathsstelle portiren, allein ich lehnte jede Candidatur ab, weil meine überhäuften Amtsgeschäfte als Präsident des Criminalgerichts & Mitglied des Obergerichts mir es rein unmöglich machen würden, wochenlang in | Bern zu verweilen. – Bleibe ich auch den Verhandlungen der eidgenössischen Räthe fern, so bin ich deswegen nicht gleichgültig gegen das Wohl & das Weh meines geliebten schweizerischen Vaterlandes. Dieses Motiv gab mir die Feder in die Hand, um einige Zeilen an Dich zu richten.

Mögest du noch recht viele Jahre zum Heil & Segen der Schweiz Deine Wirksamkeit walten lassen, dann ist mir für das Vaterland nicht bange!

Empfange, lieber Freund! die herzlichsten Grüße & die Versicherung unwandelbarer Hochschätzung von Deinem treuen

Dr Frey.

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