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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B2144 | FA Tschudi

Alfred Escher an Johann Jakob Blumer, Zürich, Freitag, 8. Dezember 1865

Schlagwörter: Bundesgericht, Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Vereine und Gesellschaften (allgemein)

Briefe

Zürich 8 Dezember 1865

Mein theurer Freund!

Vor allem bitte ich Dich, mir Nachrichten von dem Befinden Deiner l. Frau zu geben. Was Du mir noch in Bern von ihrem Gesundheitszustande gesagt hast, beunruhigte mich sehr. Es wäre eine große Freude für mich zu vernehmen, daß Sie wieder ganz hergestellt sei.

Das Bundesgericht wird sich also künftigen Montag über 8 Tage in Zürich versammeln. Ich komme Dich zu bitten, Deinen Wohnsitz in Belvoir aufschlagen zu wollen Wenn Du je| weilen nur vorübergehend in Zürich warst, so habe ich nicht in Dich dringen wollen, bei uns zu wohnen. Da nun aber Dein Aufenthalt dießmal voraussichtlich eine Woche andauern wird, so hoffe ich, Du werdest Deine zweite Heimat, wie ich Belvoir nennen möchte, freundlich eingedenk sein. Allerdings ist es gegenwärtig nicht sehr einladend, auf dem Lande zu wohnen. Mein Wagen wird Dir aber stetsfort zur Verfügung stehen. Wie sehr würde mich Deine Zusage freuen, Du bewährter, treuer Freund!

Aus der Zusendung des zweiten Heftes des Jahrbuches des Historischen Vereines von Glarus, welche ich Deiner freundlichen Aufmerksamkeit| verdanke, habe ich neuerdings entnommen, wie Du trotz aller Inanspruchnahme für die öffentlichen Angelegenheiten des Bundes & Deines Cantons immer noch Muße zu wissenschaftlicher Thätigkeit findest. Ich schäme mich ordentlich, wenn ich eine Vergleichung zwischen Deinen Leistungen & den meinigen anstelle!

Lebe wohl! Auf baldiges Wiedersehen. Glücklicher Weise habe ich nicht nöthig, Dir zu sagen, daß meine Freundschaft zu Dir unverbrüchlicher ist als der Granit des Gotthard!

Grüße mir von herzen Deine l. Frau & Mutter & sei in alter Treue umarmt von Deinem

A Escher